Höhepunkte der Nacht : Nicht alles läuft nach Plan

Weder Shani Davis im Eisschnelllauf noch Apolo Anton Ohno im Shorttrack der Männer konnten in ihren Rennen die angestrebten Goldmedaillen einfahren. Besser machte es Top-Favorit André Lange, der mit seinem Anschieber Kevin Kuske die Zweierbob-Konkurrenz zur Halbzeit anführt.

von

Der Olympiasieg über 1.500 Meter im Eisschnelllauf war eigentlich eine ausgemachte Sache: Shani Davis wollte sich über diese Strecke seine drittes olympisches Gold insgesamt und sein zweites in Vancouver sichern. Doch es kam anders: Nach dem letzten Lauf mit dem favorisierten Davis riss der im Innenbereich wartende Mark Tuitert die Arme hoch. Der war im drittletzten Paar gemeinsam mit dem Norweger Havard Bökko ein fantastisches Rennen gelaufen. Beide lagen deutlich vor der Konkurrenz, wobei der Niederländer sogar noch eine halbe Sekunde schneller war als sein direkter Gegner. An der Zeit von Tuitert biss sich auch Shani Davis die Zähne aus und landete mit 53 Hunderstelsekunden Rückstand nur auf Platz zwei - ganz knapp vor Bökko. Im vollbesetzten Olympic Oval feierten die zahlreichen Oranje-Fans den unerwarteten Olympiasieg gemeinsam mit dem Gewinner ausgelassen. Davis hingegen musste wie vor vier Jahren in Turin mit Silber vorlieb nehmen. Der Berliner Samuel Schwarz wurde mit viereinhalb Sekunden Rückstand 32.

Ohno jetzt US-Rekord-Olympiateilnehmer

Auch im Shorttrack wollten die US-Amerikaner in Person von Apolo Anton Ohno nach Möglichkeit Gold holen. Dass es am Ende über die 1.000-Meter-Strecke "nur" Bronze wurde, störte den Superstar aber nur wenig. Immerhin darf sich Ohno jetzt erfolgreichster US-Wintersportler nennen. Kein anderer Athlet aus seinem Land bringt es wie er auf sieben olympische Medaillen. Zudem lag der 27-Jährige im Finallauf lange Zeit an letzter Stelle des Fünf-Mann-Feldes und konnte die beiden Südkoreaner Lee, die Gold (Ho Suk) und Silber (Jung-So) unter sich ausmachten, nie ernsthaft gefährden. Dass er letztlich an den kanadischen Hamelin-Brüdern vorbeizog, freute aber verständlicherweise nicht alle im gut gefüllten Pacific Coliseum. Die deutschen Starter Tyson Heung und Paul Herrmann belegten im Endklassement die Plätze 13 und 22. Über die 1.500 Meter der Damen setzte sich die Chinesin Yang Zhou überlegen vor Lee Eun-Byul und Park Seung-Hi aus dem starken südkoreanischen Team durch. Die Rostockerin Aika Klein schied nach einem Sturz im Viertelfinale aus. Südkorea hat in den bisher vier Rennen bereits fünf Medaillen geholt - und bekommt noch vier weitere Chancen bei diesen Spielen.

Bob: Lange führt vor Florschütz

Im Whistler Sliding Centre tat sich auch Favorit André Lange zumindest im ersten Lauf im Zweierbob schwerer als gedacht und lag zusammen mit seinem Anschieber Kevin Kuske zunächst hinter dem zweiten deutschen Bob mit Thomas Florschütz und Richard Adjei. Im zweiten von insgesamt vier Läufen stellte Lange dann aber die Hackordnung wieder her und übernahm die Spitze mit elf Hunderstelsekunden Vorsprung auf Florschütz. Dahinter tut sich bereits eine deutliche Lücke zum drittplatziertem Bob Russland I auf. Der dritte deutsche Schlitten mit Karl Angerer und Gregor Bermbach ist Zehnter. Angerer hatte wie viele andere Piloten Probleme mit der Bahn und leistete sich im ersten Lauf einen Quersteher, der ihn bereits frühzeitig alle Medaillenchancen gekostet haben dürfte. Nach zahlreichen Stürzen im Training erwischte es auch im Wettkampf wieder einige Bobs. Besonders bitter aus kanadischer Sicht: Mitfavorit Lyndon Rush, der nach Lauf eins noch Dritter war, rutschte nach einem Sturz in zweiten Durchgang auf Platz 23 ab. Alle Unfälle auf der gefährlichen Eisbahn endeten halbwegs glimpflich: Abgesehen von Prellungen und Hautabschürfungen gab es diesmal keine schweren Verletzungen zu beklagen. Die Entscheidung im Eiskanal fällt in der Nacht von Sonntag auf Montag ab 1 Uhr deutscher Zeit.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben