Sport : Höher, schneller, reicher

Christian Olsson und Tonique Williams-Darling teilen sich beim Istaf in Berlin eine Million Dollar

Jörg Wenig

Berlin - Die größte Leistung beim 63. Istaf war eine symbolische. 61150 Zuschauer, so viele wie seit 1993 nicht mehr, kamen gestern zur Leichtathletik in das Berliner Olympiastadion. Das bedeutet zweifelsohne starke Unterstützung für die Bewerbung Berlins um die Austragung der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 (siehe Artikel rechts). Was die Zuschauerzahl anging, hat das Istaf angeknüpft an die großen Meetings in den Neunzigerjahren. In sportlicher Hinsicht gelang das noch nicht.

Einer der Höhepunkte war der Kampf um den Jackpot der Golden League. Die beiden nach fünf der sechs Meetings verbliebenen Kandidaten setzten sich schließlich auch gestern im Olympiastadion durch und teilen sich nun den mit einer Million Dollar dotierten Jackpot. Voraussetzung ist allerdings für den Dreispringer Christian Olsson (Schweden) und die 400-m-Läuferin Tonique Williams-Darling (Bahamas), dass sie auch am nächsten Wochenende beim World Athletics Final in Monte Carlo antreten. Dort ist aber kein Sieg mehr nötig, um den Jackpot zu gewinnen.

Bei aufgrund von Windböen schwierigen Bedingungen patzte Christian Olsson beim ersten Versuch, doch im zweiten Sprung setzte er mit 17,45 m ein Maß, an das keiner seiner Konkurrenten herankommen sollte. Der Olympiasieger – einer von gut einem Dutzend, die beim Istaf am Start waren – ist damit der erste Schwede, der den Golden-League-Jackpot gewann. Auch aus den Bahamas hat es bis gestern niemanden gegeben, der den Jackpot knackte. Olympiasiegerin Tonique Williams-Darling gelang dies nun über 400 m. In der dramatischsten Entscheidung des Tages war eine Weltklassezeit von 49,07 Sekunden nötig, um auf der Zielgeraden den Angriff der Weltmeisterin Ana Guevara (Mexiko) abzuwehren. Das Ergebnis von Williams-Darling macht sie zur zehntschnellsten 400-m-Läuferin aller Zeiten. Die 49,07 Sekunden waren zugleich die einzige Jahresweltbestmarke und der einzige Istaf-Rekord des Tages. An einen Weltrekord war gestern nicht zu denken.

Hochklassig war auch der Hürdensprint-Sieg der Olympiasiegerin Joanna Hayes. Die US-Amerikanerin erreichte mit 12,46 Sekunden über 100 m Hürden die zweitschnellste Zeit in der Istaf-Geschichte. Nur die bulgarische Weltrekordlerin Yordanka Donkova (13,21 Sekunden) war 1986 im Olympiastadion schneller mit 12,37. Auch bei den Männern gehörte die Hürdensprint-Siegeszeit zu den hochklassigsten Leistungen. Allen Johnson (USA) siegte in 13,16 Sekunden. „Es ist schade, dass Liu Xiang hier nicht dabei war – ich wäre gerne gegen ihn gelaufen“, erklärte Johnson. Im Zwischenlauf in Athen war der Amerikaner gestürzt, der Chinese sprintete daraufhin zum Olympiasieg. Eine Jugend-Weltbestzeit gab es über 5000 Meter. Der 17-jährige Kenianer Augustine Kiprono Choge siegte in 12:57,01 Minuten. Nie zuvor war ein unter-18-jähriger Läufer die Strecke unter 13 Minuten gelaufen.

Die Situation der deutschen Leichtathletik spiegelte sich währenddessen auch beim Istaf wieder: Es gab keinen Sieg eines deutschen Athleten. Wie in Athen belegten Speerwerferin Steffi Nerius (Bayer Leverkusen/65,60 m) und Kugelstoßerin Nadine Kleinert (SC Magdeburg/18,52 m) auch beim Istaf zweite Plätze.

Schließlich wurde nach Heike Drechsler (siehe unten stehender Artikel) noch ein weiterer Leichtathlet verabschiedet: Frank Busemann (LGO Dortmund) hatte im vergangenen Jahr seine Karriere beendet und lief nun ein offizielles Abschiedsrennen über 1500 Meter. Das war ein netter emotionaler Abschluss für die Zuschauer bei einer insgesamt erfolgreichen Rückkehr des Istaf in das Olympiastadion. Nur eines wird mancher Besucher vermisst haben. Die besondere Stimmung eines Abend-Sportfestes wie in früheren Jahren hat das wichtigste deutsche Leichtathletik-Meeting, das inzwischen am Nachmittag stattfindet, nicht mehr.

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