Höhere Eintrittspreise : Wenn Fußball alles ist

Kann Fußball zu teuer werden? Benedikt Voigt über höhere Eintrittspreise und die soziale Verantwortung der Bundesligaklubs.

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Die Fans von Borussia Dortmund haben Pech, dass Schalkes Vereinsvorsitzender nicht Heribert Bruchhagen heißt. Einige Dortmunder Fanklubs wollen nämlich das Revierderby am vierten Spieltag beim FC Schalke 04 boykottieren, und zwar ausdrücklich nicht, um dem ewigen Rivalen zu schaden, sondern um gegen deutlich erhöhte Eintrittspreise zu protestieren. „Kein Zwanni für ’nen Steher“, lautet ihre Aktion. Bei Heribert Bruchhagen würden sie womöglich auf Verständnis stoßen.

Die Fußball-Bundesligisten hätten eine neue gesellschaftliche Verantwortung, hat der Präsident von Eintracht Frankfurt gerade festgestellt, es gebe viele Arbeitslose und Rentner, deren einziger Lebensinhalt der Fußball ist. Eine bemerkenswerte Erkenntnis, denn was folgt daraus?

Die Bundesligaklubs dürfen sich nicht länger allein als Wirtschaftsunternehmen definieren, sie müssen sich ihrer gestiegenen sozialen Verantwortung stellen. Mit einer Jugendabteilung, von der am Ende vor allem der Verein profitiert, ist es nicht getan. Soziale Verantwortung kostet Geld. Es bedeutet, bezahlbare Tickets für Fans und ermäßigte Tickets für Arbeitslose anzubieten. Es bedeutet, Rollstuhlplätze zu stellen, die womöglich anders mehr Einnahmen bringen würden. Es bedeutet, Ansprechpartner zu organisieren, die sich um Menschen kümmern, für die der Verein ihr Ein und Alles geworden ist.

Wenn die Klubs ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden, dürfte es im Gegenzug der Gesellschaft auch leichter fallen, sie zu unterstützen. Und zum Beispiel weiterhin die Polizeieinsätze bei den Bundesligaspielen zu bezahlen.

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