Sport : Hönemann lässt los

Der Sulky-Champion löst seinen Berliner Rennstall auf und geht nach Tschechien

Heiko Lingk

Berlin - Michael Hönemann erinnert sich daran, als wäre es gestern gewesen. Wie er als 14-Jähriger während eines Schulausflugs zufällig die Rennbahn in Mariendorf entdeckte. Mit Pferden hatte der Junge bis dahin überhaupt nichts zu tun gehabt, „doch von dem Tag an ließ mich die Sandpiste nicht mehr los“, sagt Hönemann. Nun, mehr als 30 Jahre später, lässt er selbst los.

Heute verlässt der mehrfache Berliner Trabrennchampion Michael Hönemann seine geliebte Bahn und zieht mit allen Pferden in sein neues Trainingszentrum nach Lednice in Tschechien. „Mir blutet das Herz, aber ich hatte keine andere Wahl“, sagt der 45 Jahre alte Profi. „Angesichts der sinkenden Dotationen in Deutschland wäre sonst mein gesamter Rennstall gefährdet gewesen.“

3854 Mal fuhr der Mann im weißen Renndress bisher als Sieger über die Ziellinie und verdiente dabei 7,1 Millionen Euro Preisgeld. Doch die fetten Zeiten sind vorbei: Während die Rennen noch vor zehn Jahren durchschnittlich mit 5000 Mark dotiert waren, sind es jetzt gerade mal 1 000 Euro. Künftig wird Hönemann von seinem neuen, nur vier Kilometer von der Grenze zu Österreich entfernten Hauptquartier hauptsächlich in Wien- Krieau und in Ebreichsdorf an den Start gehen. Auch die Bahnen in Österreich stecken in der Krise, aber das Preisgeld ist dort immer noch doppelt so hoch.

Bis zuletzt hat Hönemann versucht, diesen Schritt zu vermeiden. Doch immer mehr Traberbesitzer verzichten aus Kostengründen auf einen professionellen Trainer und bereiten ihre Pferde lieber selber vor. Daher hatte der Sulkyfahrer immer weniger Traber in den Boxen.

Von seinen Berliner Fans verabschiedete sich Michael Hönemann am Sonntag mit Stil: Bei insgesamt vier Starts in Mariendorf siegte er viermal. Und weil alle Prüfungen der Veranstaltung nach den Championatsträgern benannt waren, hieß auch der Sieger im „Michael-Hönemann-Rennen“ Michael Hönemann.

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