Sport : Hoeneß BSC

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Markus Hesselmann über

einen kleinen Bruder von Statur

Kleine Brüder haben es schwer im Leben. Dieter Hoeneß, Herthas Manager, ist ein kleiner Bruder, obwohl er Uli Hoeneß, den Manager des FC Bayern, um einen Kopf überragt. Ob als Spieler oder als Manager – immer kam Dieter später als Uli. Und das liegt nicht nur an dem einen Jahr, das beide vom Alter her trennt. Uli Hoeneß, der Welt- und Europameister, wirkte immer souverän: auf dem Platz – vielleicht mit Ausnahme des Elfmeterschießens im Finale der EM 1976 in Belgrad – und auf der Geschäftsstelle. Als Manager des FC Bayern, ein Amt, das er 1979 als 27-Jähriger übernahm, gilt Uli Hoeneß als Inbegriff des harten, aber fairen Fußball-Unternehmers. Als Vordenker und Vormacher zugleich.

Dieter Hoeneß brauchte Zeit, sich zurechtzufinden. Als Stürmer war er stark, wurde aber als Kopfballungeheuer belächelt. Der ganz große Erfolg als Nationalspieler blieb ihm versagt. Als Manager musste er in Stuttgart scheitern, um dann in Berlin die Chance seines Lebens zu bekommen. Es sieht so aus, als ob der kleine Bruder die große Chance nutzt. Hertha BSC wird zu Hoeneß BSC. Den zaudernden Jürgen Röber, ein Leidensgenosse vergangener Stuttgarter Tage, ersetzte Hoeneß durch den erfolgsversessenen Huub Stevens. Einen Trainer, der von seinen Meriten her an den Manager heranreicht, ihn aber nicht überragt. Hier könnte sich eine wunderbare Freundschaft entwickeln.

Nun ist es ja nur der Ligapokal, dessen Gewinn für Hertha im vorigen Jahr wenig hilfreich war. Doch wie symbolisch wertvoll ist es doch, mit dem neuen Trainer gleich gegen die Bayern zu gewinnen, den großen Bruder aus München. Auch das Fernsehduell in der Halbzeitpause entschied Dieter Hoeneß für sich. Der Manager fand für seine Verhältnisse ungewöhnlich deutliche Worte. Dem Deutschen Fußball-Bund kündigte er weitere Beschwerden an, da dieser nach Herthas Ansicht während der WM nicht pfleglich genug mit dem verletzten Marko Rehmer umging. Und Torwart Kiraly kann sich nach Hoeneß’ Worten auf einiges gefasst machen, wenn er sich weitere Sperenzchen im Strafraum erlaubt wie jetzt wieder gegen die Bayern.

Im Vergleich mit dem forschen Berliner Manager wirkte Uli Hoeneß in seiner Telekom-Windjacke wie der Sponsorenbeauftragte der Bayern. Er mokierte sich darüber, dass der verletzte Sebastian Deisler im Mercedes vorfuhr statt in einem Wagen des neuen Bayern-Geldgebers Audi. Der Gipfel war das Werbe-Filmchen über seine Auffahrt zum Mont Ventoux als Gast der Tour de France. Wie symbolhaft, dass hier Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende der Bayern AG, als Macher präsentiert wurde, der den Berg per Fahrrad bezwang. Manager Uli Hoeneß zuckelte ganz in Rosa mit dem Motorrad hinauf.

Während also Uli Hoeneß immer öfter wie einer wirkt, der sich langsam zurückzieht, legt Dieter Hoeneß erst richtig los. In Zeiten der Rezession hat er einen brasilianischen Stürmer nicht einfach verpflichtet, sondern dessen ausufernde Gehaltsvorstellungen erst einmal professionell gedrückt. Ein weiterer Brasilianer, Nené, wird in einem langen Probetraining erst ausgiebig getestet. Die über Jahre aufgebauten Beziehungen nach Brasilien zahlen sich aus. Auch für die Brasilien-Connection wurde Hoeneß zunächst kritisch beäugt, vor allem wegen Alex Alves. Dann kam Marcelinho, spielte überragend und setzt seine starken Leistungen jetzt wieder fort. All das lässt hoffen für die neue Saison. Da müsste selbst der Gewinn des Ligapokals diesmal kein Nachteil sein.

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