Sport : Hoeneß: Etwas für den Uli getan

Jörg Allmeroth

Mit eiskalter Miene marschierte der Manager direkt vor dem Anpfiff ins Weserstadion ein, noch begleitet von wüsten Sprechchören und Beschimpfungen. Doch als der ewiggrüne Nord-Süd-Klassiker zwischen Werder Bremen und Bayern München nach 90 Minuten schiedlich-friedlich 1:1 zu Ende gegangen war, hatte sich selbst die Reizstimmung um den ehemaligen Bundesliga-Buhmann Uli Hoeneß wie fauler Zauber verflüchtigt. "Die Leute werden ja richtig vernünftig", staunte der Münchner Geschäftemacher nach dem spannungsgeladenen Gastspiel an der Weser, das nicht in den befürchteten Klassenkampf ausartete.

Selbst die Tatsache, nach sieben Siegen in Serie gegen den alten Meisterschafts-Rivalen nicht die volle Punktausbeute mitgenommen zu haben, konnte den Münchnern schließlich nicht die Laune verderben: "Wir haben ein schwieriges Spiel ordentlich überstanden", sagte Trainer Ottmar Hitzfeld, "die Mannschaft hat heute besonders für Uli Hoeneß gekämpft." Nachdem in den letzten Tagen von "vielen Menschen viel Öl ins Feuer" gegossen worden sei, so Hitzfeld, habe im ganzen Verein der Tenor vorgeherrscht, "dass wir etwas für den Uli tun müssen." Es hätte weh getan, erklärte Bayerns überragender Mittelfeld-Mann Mehmet Scholl, "wenn wir heute verloren hätten, wäre das schlimm für den Manager gewesen".

Dabei sah es in der allererersten Spielphase sogar nach einem weiteren Bayern-Triumph im hohen Norden aus. Bereits nach fünf Minuten hatte Sergio nach einem schweren Bremer Abwehrfehler die Münchner mit 1:0 in Führung geschossen: Zunächst konnte der Brasilianer den Ball nach einem genauen Zuspiel von Scholl nicht unter Kontrolle bringen, doch im zweiten Versuch gelang ihm mit einem spektakulären Fallrückzieher doch der Vorsprung. "Eigentlich war das die beste Grundlage, um hier als Sieger nach Hause zu fahren", sagte Hitzfeld später, "doch dann haben wir tief geschlafen und den Bremer Ausgleich ermöglicht."

Damit spielte der Meistertrainer auf die Szene in der elften Minute an, als Bode der unkonzentrierten Bayern-Abwehr entwischte und vom heranstürmenden Torwart Kahn nur auf Kosten eines Elfmeters gebremst werden konnte: "Ich hatte so ein Tempo drauf, dass ich gar nicht mehr abbremsen konnte", sagte Kahn später, "Bode hat das natürlich clever ausgenutzt und ist auf Tauchstation gegangen." Ailton, sonst unauffällig im Bremer Angriff, nutzte den Strafstoß mühelos zum 1:1-Ausgleich.

Dass bis zum Schlusspfiff des schwachen Schiedsrichters Herbert Fandel alles beim unentschiedenen Status Quo blieb, hatte allgemeine Zufriedenheit zur Folge. "Wenn du wochenlang die Seuche am Fuß hast in der Bundesliga und auf einem Abstiegsplatz stehst, musst du froh sein, wenn du gegen die beste deutsche Mannschaft einen Punkt holst", sagte Werders Spielmacher Andreas Herzog. Auch Nationalspieler Marco Bode wollte das 1:1 nicht als Punktverlust im "harten Abstiegskampf" werten: "Heute hat die Elf bewiesen, dass sie wirklich guten Fußball spielen kann. Das gibt neues Selbstbewusstsein."

Unterdessen verteilten die Münchner generös Komplimente und Artigkeiten an den ehemaligen Mitbewerber um Titel und Trophäen. "Werder Bremen steht zu Unrecht so tief unten", meinte Torhüter Kahn, wie die meisten Bayern geradezu bemüht, den jüngsten Konflikt zwischen den Vereinen zu entschärfen.

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