Sport : Hoeneß gegen Daum: Rauchsignale aus der Friedenspfeife

Ein so genannter Friedens-Gipfel soll die Schlammschlacht um den künftigen Bundestrainer Christoph Daum beenden. "Wir bemühen uns, nächste Woche ein Meeting unter Einbeziehung aller wichtigen Personen zu organisieren. Wir haben den Termin bewusst nach dem WM-Qualifikationsspiel gelegt, um uns konzentriert auf England vorzubereiten", erklärte DFB-Mediendirektor Wolfgang Niersbach vor dem Abflug der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach London zum Klassiker gegen den Weltmeister von 1966 am Sonnabend (16 Uhr / live im ZDF) im Londoner Wembley-Stadion.

Wahrscheinlich werden die Intimfeinde Daum und Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß sowie DFB-Vize-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, Task-Force-Chef Karl-Heinz Rummenigge, Bayer Leverkusens Manager Reiner Calmund und möglicherweise auch Franz Beckenbauer zusammen an einem Tisch sitzen.

Doch nach dem von Hoeneß erhobenen Drogen-Verdacht gegen Daum, der Strafanzeige über den Hamburger Anwalt Matthias Prinz wegen Verleumdung und übler Nachrede gegen den Bayern-Manager gestellt hatte, tauchen in der aufgeheizten Atmosphäre und der Privatfehde Hoeneß kontra Daum neue, brisante Gerüchte auf. So soll Hoeneß gegen Daum eine Detektei beauftragt haben, die das Privatleben des Bayer-Cheftrainers untersuchen sollte. Auch zu einem bekannten und befreundeten Leibwächter aus der Promi-Szene soll Hoeneß Kontakt aufgenommen haben. Das berichtet die in Köln erscheinende Boulevardzeitung "Express". Dazu erklärte Bayern-Vizpräsident Karl-Heinz Rummenigge indes in "Bild": "Stimmt nicht. Mit solchen Methoden wird bei uns nicht gearbeitet."

Unterdessen fliegt Daum wegen der diffamierenden Äußerungen von Hoeneß nicht wie ursprünglich geplant zum wichtigen WM-Qualifikationsspiel der deutschen Auswahl nach England. "Das habe ich jetzt abgesagt, leider. Wenn ich da auftauche, gibt es noch mehr Unruhe", meinte der 46 Jahre alte Coach im "Express".

Hoeneß bekräftigte indes seinen Standpunkt in der Auseinandersetzung mit Daum: "Ich falle keinen Millimeter um. Es geht hier um Zivilcourage oder Scheinheiligkeit. Im Fall Ribbeck habe ich die Scheinheiligkeit mitgemacht. Diesmal nicht. Für das, was ich da gesagt habe, sehe ich keinen Anlass für eine Verleumdungsklage", erklärte Hoeneß der "Süddeutschen Zeitung".

Trotz der Strafanzeige von Daum bleibt der Manager bei seiner Aussage, wonach ein Bundestrainer Gerüchte um Drogen-Missbrauch nicht unwidersprochen stehen lassen dürfe. "Das würde ich auch vor Gericht aussagen: Ein Trainer, über den so was verbreitet wird, und der das nicht widerruft, kann keinen Vertrag beim DFB erhalten. Es ist der Eindruck entstanden, dass ich hier eine Schlammschlecht inszeniert habe, aber das habe ich nicht getan", sagte Hoeneß.

Trotz der verbalen Attacken gibt sich Daum weiter kämpferisch und sagt: "Unzählige Anrufe haben mir absolute Rückendeckung von unglaublich vielen Seiten signalisiert. So schnell kriegt mich keiner klein. Es geht allerdings in erster Linie darum, diese Diskussionen möglichst schnell zu beenden. Der Fußball in Deutschland hat nach der Europameisterschaft eine schwierige Zeit durchgemacht. Jetzt sollte das Image durch solche Dinge nicht weiter beschädigt werden."

Unmittelbar nach seiner Rückkehr von den Olympischen Spielen in Sydney sagte Meinolf Sprink, Sportbeauftragter der Bayer AG, zu den Vorwürfen gegen Daum: "Bei jedem Menschen mit Menschenverstand ruft diese Geschichte Kopfschütteln hervor. Die Motivation von Uli Hoeneß kann ich nicht interpretieren.

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