Sport : Hoffen auf das Gute

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Von Robert Ide

Berlin. Sebastian Deisler geht auf Krücken. Das größte deutsche Fußballtalent kann nicht mitspielen bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea, stattdessen humpelt der 22-Jährige in München herum. Deisler lernt wieder gehen. Und er versucht, mit seinem empfindlichen Körper zu leben. „Mit jeder Verletzung lerne ich dazu“, sagt er. Doch nicht nur für ihn ist dieser Sommer eine Zeit schwerer Erfahrungen. Auch die Verantwortlichen des größten deutschen Fußballklubs, die sich die Dienste Deislers ab Juli für viel Geld gesichert haben, lernen dazu. Die Manager des FC Bayern München müssen auf ihren Star verzichten. Und trotzdem für ihn bezahlen. Die Investition rentiert sich vorerst nicht. Deshalb gibt es Streit.

Bayerns Manager Uli Hoeneß hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) aufgefordert, zu Deislers Gehalt einen Zuschuss beizusteuern. Das dürften keine Peanuts sein, schließlich soll der Mittelfeldspieler vier Millionen Euro pro Jahr verdienen. Deisler hatte sich am 18. Mai im Testspiel gegen Österreich einen Knorpelschaden im rechten Knie zugezogen, nun fällt er sechs Monate aus. Eine Mitschuld daran würden die Trainer der Nationalmannschaft tragen, die Deisler zu schnell wieder eingesetzt hätten – so argumentieren jedenfalls die Bayern. Der DFB versuchte am Montag, das Thema herunterzuspielen. Man werde alles nach der Weltmeisterschaft „in Ruhe diskutieren“, zudem seien Nationalspieler gegen Lohnausfall versichert. Über die Höhe der Entschädigung schweigen die Verantwortlichen allerdings. Auch bei der betreffenden Kölner Sportversicherung will niemand Details nennen. Auf Nachfragen stellt sich allerdings heraus, dass es bislang keinen Versicherungsfall wie den von Deisler gab. Zusätzliche Gehaltszahlungen vom deutschen Fußball-Fachverband aufgrund einer Spielerverletzung „wären wirklich etwas Neues“, heißt es beim DFB in Frankfurt am Main.

Auch die Bayern bemühten sich am Montag, die Diskussion einzudämmen. Manager Uli Hoeneß fuhr erst einmal in den Urlaub nach Südfrankreich. „Alles andere klären wir später“, ließ er wissen. Nach einem bevorstehenden Rechtsstreit klingt das nicht, nach einem Ende der Debatte aber auch nicht. Die Bayern wollen ihren Neuzugang nun besser betreuen. Deisler soll nicht wie geplant im Reha-Zentrum in Donaustauf wieder zu Kräften kommen. Stattdessen wird er nun direkt in München behandelt, die Bayern stellen dafür extra einen Physiotherapeuten ab.

Und Deisler selbst? Wie geht es ihm? „Mein Arzt in den USA hat mir versichert, dass das Knie in Ordnung ist“, antwortet er. Und: „Es wird alles gut.“ Sebastian Deisler braucht jetzt Ruhe. Zwei Wochen wird er in München bleiben und dabei seinen Umzug aus Berlin organisieren. Danach will er erst einmal Urlaub machen. Denn im Spätsommer beginnt der richtige Stress: Aufbautraining, Untersuchungen, Comebackversuche. Und dann fängt die Bundesliga wieder an. Mit Sebastian Deisler auf der Ersatzbank.

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