Sport : Hoffen auf den Sandpapst

Stephanie Pohl/Okka Rau wollen bei der Beachvolleyball-EM raus aus der Krise

Felix Meininghaus

Timmendorfer Strand - Wenn Sportler ständig Zweiter werden, kommt dieser Vergleich wohl zwangsläufig. Doch auf die Frotzeleien ihrer Begleiter lassen sich Markus Dieckmann und Jonas Reckermann gar nicht erst ein. „Aufnahmeanträge von Bayer Vizekusen“, sagt Dieckmann, wie sein Partner Fan des 1. FC Köln, „lehnen wir weiterhin konsequent ab.“ Statt sich von ihren Trainingspartnern ärgern zu lassen, parodieren die beiden Beachvolleyballer zwischen den Übungseinheiten lieber ihren neuen Helden Lukas Podolski. Während die kölsche Stürmerhoffnung mit dem DFB-Tross in Portugal weilt, haben sich Dieckmann und Reckermann auf den Weg nach Timmendorfer Strand gemacht, um bei der mit 200 000 Euro dotierten EM Furore zu machen.

Das Duo aus Köln hat gute Chancen. EM-Gold 2002 und Silber bei den Titelkämpfen im vergangenen Jahr in der Türkei – das lässt auf neue Großtaten hoffen. Allerdings ist da ein kleines Manko, weshalb die Profis in die Nähe von Leverkusens Titelverweigerern gerückt werden: Es will einfach nicht mehr gelingen, ein Turnier mit einem Sieg abzuschließen. Die Niederlage im Endspiel der vergangenen Europameisterschaft gegen die Österreicher Berger/Doppler im Glutofen von Alanya, Platz zwei sowohl bei den deutschen Titelkämpfen als auch bei den Italian Open der European Championship Tour sowie drei Endspielniederlagen auf der World Tour – eine solche Abfolge der Ereignisse kann Athleten schon aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Aussichten für die heute beginnende Hauptrunde sind jedoch blendend. Abgesehen von den Weltmeistern Ricardo und Emanuel haben sich die Deutschen zuletzt der gesamten Weltelite ebenbürtig oder überlegen gezeigt. Allerdings, betont ihr Trainer Jürgen Wagner, „haben die Spiele gegen die Brasilianer reichlich Energie gekostet. Die Jungs sind in den letzten Tagen ganz schön platt gewesen“.

Das sind kleine Sorgen im Vergleich zu dem, was Deutschlands bestes Frauenteam erlebt. Stephanie Pohl und Okka Rau, die Europameisterinnen aus Kiel, suchen nach ihrer Form und verabschieden sich regelmäßig weit vor dem Finale. Auch jetzt an der Ostsee verpatzten die Hamburgerinnen ihren ersten Auftritt, als sie gegen die Bulgarinnen Janchulowa/Janchulowa 1:2 verloren. Danach gab es immerhin einen 2:0-Sieg über die Russinnen Bobrowa/Urjadowa.

Dennoch, überzeugen konnten Pohl/Rau bislang noch nicht. „Vielleicht war der Zeitpunkt des Trainerwechsels falsch gewählt“, sagt Okka Rau. Im Winter verließen sie mit Olaf Kortmann den Trainer, der sie in die Weltspitze geführt hatte, um mit dem Italiener Marco Solustri höhere Sphären anzustreben. Der Römer gilt in der europäischen Beachvolleyball-Szene als eine Art Trainerguru, im Fachblatt „Volleyball-Magazin“ wird er als „Sandpapst“ gerühmt. Nun soll Solustri das Duo Pohl/Rau in neue Dimensionen führen. Der derzeitige Durchhänger sei dabei allenfalls eine momentane Erscheinung, versichert Okka Rau, „in unserem Umfeld sind alle viel hibbeliger als wir“. Das große Ziel bleibe Athen, bis dahin gelte es, „nicht den Mut zu verlieren“.

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