Sport : Hoffen auf die Wild Card

Was passiert mit Serienmeister Friedrichshafen, wenn er in Berlin scheitert?

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Idi soll’s richten. Idner Lima Martins, brasilianischer Publikumsliebling des VfB Friedrichshafen. Foto: Eibner
Idi soll’s richten. Idner Lima Martins, brasilianischer Publikumsliebling des VfB Friedrichshafen. Foto: EibnerFoto: Eibner Pressefoto

Berlin - Acht Punkte, beeindruckend war das nicht. Nur acht Punkte erzielte Idner Lima Martins, genannt Idi, am Mittwochabend, und das in eigener Halle, ausgerechnet er, der Publikumsliebling. Außenangreifer Idi hatte also seinen Anteil an der 1:3-Niederlage des VfB Friedrichshafen gegen die Berlin Volleys im dritten Halbfinalspiel der Play-offs. Der Volleyball-Bundesligist aus Berlin führt damit in der Serie Best of five 2:1. Idi, der Brasilianer, hielt also auch eine Ansprache an sich selber, als er nach der Schlappe erklärte: „Jetzt müssen wir zeigen, dass wir es besser können. Es geht darum, zwei perfekte Spiele zu machen.“

Und wenn sie doch nicht perfekt spielen, die Friedrichshafener? Wenn sie am heutigen Sonntag verlieren in der Schmeling-Halle (16 Uhr)? Wenn die Volleys den Titelverteidiger aus dem Wettbewerb kegeln und der VfB zum ersten Mal seit neun Jahren mal wieder ein Play-off-Finale verpasst? Wie groß ist der Schaden beim Team von Trainer Stelian Moculescu?

„Erst mal muss man dann sagen, dass wir gegen ein Top-Team ausgeschieden sind“, sagt Jürgen Hauke. Für den Geschäftsführer der Volleyball GmbH des VfB Friedrichshafen war schon der Sieg der Volleys in Friedrichshafen keine echte Sensation. „Berlin hat sich sehr verstärkt vor der Saison.“ Die Volleys hätten sowieso als Mitfavoriten gegolten.

Das ist die kollegiale Sicht der Dinge, Lob für den Konkurrenten. Der entscheidende Punkt für den VfB Friedrichshafen heißt Champions League. Der Pokalsieger würde sich nicht direkt für die europäische Eliteklasse qualifizieren, wenn er am Sonntag scheiterte. Beim VfB dreht sich im Grunde genommen alles um die Champions League. Beispiel Sponsoren: Hauke bleibt beim Thema Geldgeber sehr allgemein, aber eines sagt er doch: „Ein Hauptsponsor fragt sich natürlich, ob er in eine Mannschaft investieren soll, die nicht am europäischen Wettbewerb teilnimmt.“

Zwei der Hauptsponsoren, sagt ein VfB-Insider, achteten sehr genau darauf, dass der VfB in der Champions League vertreten ist. Schließlich gilt auch im Sport das Leistungsprinzip. Und für die Spieler ist die Champions League natürlich das wichtigste Thema. Die wollen auch lieber gegen hochkarätige europäische Mannschaften spielen als bloß gegen Bundesligateams. Starke Spieler lockt Coach Moculescu zudem nur dann an den Bodensee, wenn er ihnen einen Auftritt in der Champions League versprechen kann.

Ein ebenso wichtiger Punkt beim Thema Champions League sind allerdings die Zuschauer. Mit normalen Bundesligaspielen kann Hauke die ZF-Arena mit ihren 4000 Plätzen gerade mal zur Hälfte füllen, wenn er Glück hat. Nur das Heimspiel gegen Generali Haching im Dezember bildete eine Ausnahme. Da strömten 3600 Fans in die Arena und verließen sie nach einer 2:3-Niederlage des VfB wieder ernüchtert. Aber selbst zu den jüngsten Halbfinalspielen gegen die Volleys kamen nur 1400 beziehungsweise 1800 Zuschauer. Gut gefüllt ist Halle nur bei Champions-League-Spielen gegen Spitzenteams. Gegen Kasan kamen 3800 Zuschauer, gegen Tours mehr als 3000.

Der VfB ist einfach zu erfolgreich. Von 28 Titeln in Meisterschaft und Pokal in den vergangenen 14 Jahren hat der VfB 23 gewonnen. Und doch sind sie einigermaßen entspannt beim VfB, selbst wenn akut das Aus droht. Es gibt ja vier Wild Cards für die Champions League. Da wird ja, so lautet die Hoffnung, eine für den VfB übrig bleiben.

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