Sport : Hoffen auf die zweite Woche

Deutsche Tennisspieler starten in Wimbledon als Außenseiter – außer Schüttler

Benedikt Voigt

Berlin. Klaus Eberhard hat seinen Aufenthalt in Wimbledon auf eine Woche angesetzt. Der Tennis-Bundestrainer der Damen bestieg gestern ein Flugzeug, das ihn zu den heute beginnenden 117. All England Lawn Tennis Championships brachte. Dort wird er das Abschneiden der vier deutschen Damen beobachten, die unter den 128 Spielerinnen im Hauptfeld stehen. Obwohl das Turnier 14 Tage dauert, steht Eberhards nächster Termin auch schon fest. „Am kommenden Wochenende bin ich bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Ludwigshafen.“

Dass Barbara Rittner, Anca Barna, Marlene Weingärtner oder Angelika Roesch auch noch in der zweiten Woche in Wimbledon spielen könnten, hat Klaus Eberhard in seinem Terminplan erst einmal nicht vorgesehen. „Ein Einzug ins Viertelfinale kann sich immer ergeben“, sagt Eberhard, „aber dann müsste eine Deutsche zwei Spielerinnen aus den ersten zehn schlagen.“ Und das ist unwahrscheinlich. Besser stehen dagegen die Chancen der sechs deutschen Herren.

Die größten Hoffnungen der deutschen Tennisanhänger trägt Rainer Schüttler, der bei den Australian Open ins Finale kam und nun in Wimbledon auf Rang neun gesetzt ist. Schüttler hat seine leichte Fußverletzung auskuriert, die er sich beim Sandplatzturnier in Braunschweig zugezogen hatte. „Er hat keinerlei Probleme und hat gut trainiert“, sagt sein Trainer Dirk Hordorff. Schüttler startet heute gegen den Schweizer Michel Kratochvil, den er vor zwei Jahren auf Hartplatz in Schanghai bezwingen konnte.

Einen Tag später spielt Nicolas Kiefer gegen den belgischen Qualifikanten Gilles Elseneer. Der 25-Jährige ist nach seinem Finaleinzug beim Rasenturnier in Halle optimistisch. Zwar musste er wegen muskulärer Probleme in Den Bosch aufgeben. „Doch ich habe meine Oberschenkelprobleme jetzt zu 80 Prozent überwunden“, sagt Kiefer. Ebenfalls am Dienstag beginnt Lars Burgsmüller gegen den Spanier Albert Montanes. Sollte er gewinnen, wartet in der zweiten Runde wahrscheinlich der große Turnierfavorit Andre Agassi auf ihn.

Einem anderen Deutschen wird heute eine besondere Ehre zuteil. Alexander Waske darf auf einem der beiden Hauptplätze gegen den Engländer Greg Rusedski spielen. Nicht viele im Publikum dürften dann allerdings Sympathien für den Deutschen hegen, hofft doch das ganze Vereinigte Königreich, dass nach 67 Jahren endlich wieder einmal ein Brite auf heimischem Rasen gewinnen möge. Rusedski, der gerade das Turnier in Nottingham gewann, und Tim Henman müssen mit den hohen Erwartungen ihrer Landsleute allerdings auch umgehen. Unbelasteter gehen Alexander Popp gegen Hicham Arazi und Thomas Behrend gegen Juan Ignacio Chela ins Turnier. Beide sind nur Außenseiter.

Ein wenig traurig muss Barbara Rittner die Auslosung beobachtet haben. Die 30-Jährige ist gut in Form, scheiterte in Den Bosch erst im Halbfinale an Kim Clijsters und steht in der ersten Runde in Wimbledon gegen die Belgierin Els Callens vor einer lösbaren Aufgabe. Dann aber wartet aller Wahrscheinlichkeit nach die Weltranglistenerste Serena Williams, gegen die Rittner bereits beim Grand-Slam-Turnier in Paris in der ersten Runde spielen musste – und 2:6, 1:6 verlor. „Diese Auslosung ist Pech“, sagt Eberhard.

Anca Barna hat in der Bulgarin Magdalena Maleewa in der ersten Runde eine schwere Aufgabe. Am besten stehen die Chancen noch für Marlene Weingärtner, die gegen die unbekannte britische Qualifikantin Jane O’Donoghue beginnt. Angelika Roesch startet gegen die Russin Jelena Dementjewa, die sie in den letzten drei Matches jeweils bezwingen konnte. „Wenn es eine in die dritte Runde schafft, wäre das schon ein schöner Erfolg“, sagt Eberhard. Und wenn es wider Erwarten eine deutsche Spielerin sogar in die zweite Turnierwoche schafft? Eberhard sagt: „Dann reise ich wieder an.“

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