Sport : Hoffen auf einen neuen Effenberg

Mönchengladbach hat wieder einen Star

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Wer hat das Sagen im Verein? Zum ersten Mal seit dem Aufstieg im Jahr 2001 gibt es im Verein so etwas wie ein Gleichgewicht der Kräfte. Als Hans Meyer noch Trainer war, folgte die Klubführung ihm geradezu sklavisch; in der vergangenen Saison dann nutzten Präsident Rolf Königs und Sportdirektor Peter Pander die Schwäche Horst Köppels, um sich in die sportlichen Belange einzumischen. In dieser Saison tut jeder das, was ihm qua Ressort zusteht: Königs zählt und hütet das Geld, Pander sucht nach echten Verstärkungen, und Jupp Heynckes darf dank seiner Aura als Erfolgstrainer in Ruhe ans Aufbauwerk gehen. Schön wär’s jedenfalls mal.

Was hat sich verbessert? Auf dem Platz sollte sich einiges verbessert haben – sieht man von den neuen Trikots ab. Nicht nur dass Grobmotoriker Jeff Strasser und Milan Fukal wohl keinen Stammplatz mehr besitzen. Vor allem lässt die Verpflichtung von Federico Insua mehr erwarten als die vielen mittelmäßigen Spieler, die Borussia zuletzt kaufte. Der argentinische Nationalspieler ist immerhin die teuerste Verpflichtung seit Stefan Effenberg. Auch rund um den Platz bekommt Borussia Verstärkung: Der Verein hat mit 26 200 verkauften Dauerkarten einen Vereinsrekord erzielt.

Wie sicher ist der Job des Trainers? Bei Borussia Mönchengladbach hat kein Trainer mehr das Ende seinen Vertrages im Amt erlebt seit – Jupp Heynckes. Der verließ den Verein 1987 und kehrt jetzt dorthin zurück, wo vor fast 30 Jahren seine Trainerkarriere begonnen hat. Man sollte nicht glauben, dass auch sonst alles wieder so schön wird. Mit seinem bisherigen Auftreten, seiner Arbeitsweise und seinen Ansichten vom Fußball hat Heynckes allerdings Hoffnungen auf bessere Zeiten geweckt. So ähnlich war es aber auch, als er vor drei Jahren bei Schalke 04 anfing.

Welche Taktik ist zu erwarten? „Ich will nach vorne spielen lassen“, sagt Heynckes, der drittbeste Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Zu den bereits vorhandenen fünf Stürmern im Kader holte er noch einen sechsten (Michael Delura) hinzu. Anders als Vorgänger Horst Köppel hat Heynckes in der Vorbereitung akribisch an der taktischen Organisation und an den Laufwegen gearbeitet. Das System ist jedoch noch nicht klar. Die modische Variante mit zwei defensiven Mittelfeldspielern, die auch Heynckes präferiert hat, wird durch die Verpflichtung des Offensivspielers Insua wohl hinfällig.

Welche Platzierung ist möglich? Als der Verein vor zwei Jahren in den Borussia- Park umgezogen ist, hat Präsident Königs das Ziel verkündet, in drei Jahren international spielen zu wollen. Das wird wohl allenfalls über den UI-Cup gelingen. Angesichts einiger hoffnungsvoller Nachwuchsleute (Marcell Jansen, Eugen Polanski, Robert Fleßers und des hoch gelobten U-17-Nationalspielers Marko Marin) kann die Zukunft nur besser werden.

Wer sind die Stars? Die WM-Teilnehmer Kasey Keller, Marcell Jansen und Oliver Neuville bekommen harte Konkurrenz: Federico Insua könnte der erste echte Zehner seit Effenberg werden. Anders als der Exot Insua besitzt Eugen Polanski eher einen Lokalbonus. Der 20-Jährige spielt seit zwölf Jahren im Verein, wurde von Bundestrainer Joachim Löw schon mit der Nationalelf in Verbindung gebracht und ist so etwas wie Heynckes’ Liebling. Vielleicht weil Polanski ihn an einen jungen Spieler erinnert, den er in seiner ersten Amtszeit bei Gladbach groß herausgebracht hat: an Lothar Matthäus.

Wie sind die Fans? Sie halten sich für die besten der Liga, was ziemlich schamlos ist. Auch wenn sie auswärts Leidensfähigkeit zeigen: Der Borussia-Park ist längst in der Hand eines verwöhnten Event-Publikums. Die lethargische, zuweilen feindliche Stimmung hat auch die Stehplätze erfasst.

Wer war der WM-Held? Nur so viel: Dortmund, 14. Juni, Deutschland gegen Polen, die 93. Minute.

Morgen: VfB Stuttgart

Die gesamte Serie im Internet:

www.tagesspiegel.de/bundesliga

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