Sport : Hoffen auf Rückenwind

Ein Sieg in Kaiserslautern würde die Mitgliederversammlung von Hertha BSC entschärfen

Klaus Rocca

Berlin. Was würden die Verantwortlichen von Hertha BSC dafür geben, wenn es so wäre wie  in den letzten Jahren. Da gewann Berlins Fußball-Bundesligist fast immer am Spieltag vor der Mitgliederversammlung. Käme es diesmal genauso, gewönne Hertha also heute am Betzenberg von Kaiserslautern, wäre das ein höchst willkommener Rückenwind für die morgige ordentliche Mitgliederversammlung im ICC.

Andernfalls hätten es Herthas Obere schwer, für gute Stimmung zu sorgen. An der Basis brodelt es. Wer wie Hertha BSC mit dem Ziel Champions League in die Saison gestartet ist und nun mühsam gegen den Abstieg strampelt, im Uefa-Pokal schon früh und kläglich gescheitert ist, der hat beim zahlenden Publikum einen schweren Stand. Die Spieler und Trainer Huub Stevens ganz besonders bekamen es in den letzten Wochen zu spüren.

Dass morgen die eine oder andere Bilanz positiv ausfallen wird, dürfte die Mitglieder kaum versöhnen. Auch nicht die, dass es in der Vorsaison einen Rekordumsatz von 63 Millionen Euro gegeben hat und die Schulden um 100 000 auf 16,8 Millionen  Euro verringert  wurden. Stichtag dieser Bilanz ist wie stets der 30. Juni. In der Zwischenzeit dürfte es weit weniger erfreulich aussehen.

Das Scheitern im Uefa-Pokal fällt  da finanziell noch am wenigsten ins Gewicht, waren im Etat  Einnahmen aus diesem Wettbewerb doch gar nicht einkalkuliert. Schon eher schmerzt, dass Hertha mit den schlechten Tabellenpositionen viel an Fernsehgeldern einbüßt. Während Bayer Leverkusen nach dem 12. Spieltag schon über eine Million Euro kassiert hat, sind es bei Hertha gerade mal 227 000 Euro. Das macht gegenüber der Saison 2002/2003 Einbußen von 410 000 Euro. Selbst wenn die Mannschaft in absehbarer Zeit doch noch die Kurve bekommen sollte, wird sich der Differenzbetrag zur Vorsaison noch beträchtlich erhöhen. Zumal der Abstand der unten stehenden Klubs zu den Spitzenrängen schon erheblich größer ist als in so manch anderen Jahren.

Für Ärger könnte auch eine von Präsidium und Aufsichtsrat eingebrachte Satzungsänderung sorgen. In der bisherigen Satzung sind zwei ordentliche Mitgliederversammlungen verankert, die eine im Zeitraum vom 1. März bis zum 31. Mai, die andere zwischen dem 1. Oktober und dem 30. November. Nach dem Willen der Antragsteller zur Änderung des Paragrafen 11 soll es künftig nur noch eine Mitgliederversammlung im Oktober/November geben. Angeboten wird den Mitgliedern eine zusätzliche Versammlung „zur Information“. Bei diesem Treffen sollen „keine Beschlüsse gefasst und Form- und Fristvorschriften für ordentliche und außerordentliche Mitgliederversammlungen nicht gelten“. Wie von Mitgliedern zu hören ist, sehen sie darin eine Reduzierung ihrer Rechte.

Wichtige Wahlen stehen heute übrigens nicht an. Der Aufsichtsrat, der das Präsidium bestellt, wird erst im Jahr 2004 gewählt. Vielleicht ist bis dahin die Stimmung an der Basis besser.

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