Hoffenheim-Debatte im DSF : Wontorras Weichspielrunde

Wie das Deutsche Sport-Fernsehen Dietmar Hopp zum Fußballstammtisch "Doppelpass" lud - und Moderator Jörg Wontorra sich in Hoffenheim als Pressesprecher andiente.

Markus Hesselmann
Doppelpass
Fußballstammtisch.Screenshot: zoomer.de

Ich schiebe es lieber gleich voraus: Ich habe weder etwas gegen noch für Hoffenheim. Das Experiment TSG 1899 beobachte ich mit Distanz, aber ohne Emotion. Und mit Interesse, deshalb habe ich mir heute Mittag den "Doppelpass"-Fußballstammtisch im DSF angeschaut. Da war Dietmar Hopp eingeladen, der Gründer des Software-Unternehmens SAP, der die TSG mit seinem sicherlich wohlverdienten Geld bis an die Spitze der Bundesliga geführt hat. Mit so einem prominenten Gast hätte man scharf analysieren und stark debattieren können - und vielleicht ja auch ein bisschen streiten. Ist ja nicht verboten im deutschen Fernsehen, auch wenn wir hier immer noch weit weg sind von der kritischen Fragekultur zum Beispiel im britischen Fernsehen. Der DSF-Moderator und Sportjournalist Jörg Wontorra jedenfalls war von der Aura der Macht und der Finanzkraft so beeindruckt, dass er die Sendung als Chance begriff, sich als künftiger Pressesprecher in Hoffenheim anzudienen, so zahm begegnete er Hopp.

Ist Geld böse?

Die Debatte, an der außer Wontorra und Hopp noch Dauergast Udo Lattek, Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser, Uli Köhler von N24, Matthias Opdenhövel von Pro Sieben und Martin Quast vom DSF teilnahmen, bewegte sich immer an der Fragestellung entlang, ob denn Geld nun böse sei oder nicht und Tradition ja wohl doch irgendwie gut. Gähn! Da hatten es Hopp und Schindelmeiser leicht, zumal sie intellektuell ohnehin aus der Runde herausragten. Dass Hopp tatsächlich in manchen Dingen autoritär denkt und sich mit Fußballkultur nur am Rande auskennt, wird bei ihm aber durchaus deutlich, etwa wenn er Fans, die ihrem Team aus Protest im Stadion den Rücken zuwenden, mit Gewalttätern gleichsetzt.

Keine konkreten Fragen

Der DSF-Debatte fehlten vor allem die konkreten Fragen: Kein Wort zur "Lex Hopp", dem Versuch des Deutschen Fußball-Bundes, Schmähungen von den Stadionrängen gegen Hoffenheims Mäzen juristisch zu unterbinden. Kein Wort zu Ralf Zwanziger. Der Sohn des DFB-Chefs Theo Zwanziger arbeitet in Hoffenheim mit, während sein Vater sich in diesem Fall mit DFB-untypischer Geschwindigkeit um Beleidigungen im Stadion kümmert. Kein Wort auch zur Boykottdrohung, mit der Hoffenheim auf einen kritischen Kommentar zu diesen konkreten Themen im Tagesspiegel reagierte. In Internetforen und auf Medienseiten wurde der Fall in den vergangenen Tagen ausgiebig diskutiert.  Das DSF war da wohl offline.

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