Hoffenheim : Der Trainer ist der Idiot

Ende einer Erfolgsgeschichte: Ralf Rangnick gibt in Hoffenheim auf, weil Mäzen Hopp hinter seinem Rücken Luiz Gustavo an die Bayern verkauft hat – Marco Pezzaiuoli wird sein Nachfolger.

Akte geschlossen. Ralf Rangnick hat Hoffenheim von der Regional- in die Bundesliga geführt. Jetzt musste er feststellen, dass der Klub und er nicht mehr zusammenpassen.
Akte geschlossen. Ralf Rangnick hat Hoffenheim von der Regional- in die Bundesliga geführt. Jetzt musste er feststellen, dass der...Foto: dpa

Was wie ein launiger Rückblick auf die schöne gemeinsame Zeit mit bunten Geschichten begann, wurde zur peinlichen Aufarbeitung einer Trennung, die schnell an ein Possenspiel in der Provinz erinnerte. Nachdem die TSG Hoffenheim in ihrem Trainingszentrum in Zuzenhausen nach viereinhalb Jahren die sofortige Trennung von Cheftrainer Ralf Rangnick bestätigt, der scheidende Coach wehmütig an den rasanten Aufstieg aus der Regionalliga in die Bundesliga erinnert hatte und mit dem bisherigen Assistenten Marco Pezzaiuoli sein Nachfolger vorgestellt war, entglitt dem badischen Klub die Pressekonferenz am Sonntag völlig. Die vorgespielte Harmonie verpuffte unter dem Eindruck von allerlei peinlichen Enthüllungen. Verlegen und kleinlaut mussten Manager Ernst Tanner, Präsident Peter Hofmann und Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus eingestehen, ihren bisherigen Cheftrainer gemeinsam mit Dietmar Hopp, dem mächtigen Gesellschafter im Hintergrund, quasi weggemobbt zu haben. Hinter Rangnicks Rücken hatten sie den Verkauf von Luiz Gustavo für rund 15 Millionen Euro an Bayern München abgewickelt.

„Es ist ein einmaliger Vorgang im Profifußball, dass der beste Spieler ohne Informationsfluss zum Trainer verkauft wird“, sagte Rangnick. „Das war das letzte Signal, dass man hier einen Trainer wie mich nicht mehr braucht.“ Rangnick befand sich auf der Rückreise aus seinem Kurzurlaub, als er über die Entwicklungen informiert wurde – vom Berater des 18 Jahre alten Bayernspielers David Alaba, der für ein halbes Jahr nach Hoffenheim ausgeliehen wird. „Ich habe geschluckt, ich war nicht eingeweiht“, sagte Rangnick, der davon sprach, dass zwischen ihm und dem Klub lange Zeit eine „Edelsymbiose“ bestanden habe. Dass es damit vorbei ist, musste Rangnick nun erfahren. Als der 52-Jährige nach der Hinrunde seinen Urlaub antrat, ging er noch davon aus, dass Luiz Gustavo mindestens bis zum Sommer in Hoffenheim bleiben würde. Darauf hatten sich Hopp, Tanner und Rangnick in einem Sechsaugengespräch geeinigt, nachdem der Trainer einen Verkauf des Brasilianers in diesem Winter als „fatales Signal“ bezeichnet hatte.

Anders geht nicht

Hoffenheim bestätigt Trennung von Rangnick

Luiz Gustavo wechselt sofort von Hoffenheim nach München

Doch Hopp sah das offensichtlich anders. Der Heidelberger „Rhein-Neckar-Zeitung“ sagte der Mäzen, er habe Rangnick bereits am 30. Dezember mitgeteilt, dass es am besten sei, sich zu trennen. „Deshalb gab es auch keinen Grund mehr, Rangnick vom Gustavo-Transfer zu unterrichten“, sagte Hopp. Ausschlaggebend sei eine E-Mail Rangnicks vom 23. Dezember gewesen, in dem er sich laut Hopp im Ton vergriffen habe.

Dass er nicht mehr unbedingt das uneingeschränkte Vertrauen des Hoffenheimer Geldgebers genießt, muss Rangnick bereits Mitte Dezember klar geworden sein. Damals erfuhr er von Medienvertretern vom heimlichen Besuch Hopps und Tanners bei den Bayern. Hopp sprach damals von Sondierungsgesprächen und rechtfertigte den Transfer Gustavos nun mit wirtschaftlichen und menschlichen Gründen. Gustavo habe leidenschaftlich um die Freigabe gebeten, teilte der mächtige Mäzen aus seinem Wintersitz in Florida mit. „Nach der Absage der Bayern, Luiz im Sommer einen Vertrag zu geben, sondern jetzt oder gar nicht, gerieten wir in echten Zugzwang“, schrieb Hopp in einem Brief an die Fans der TSG. Man sei Gefahr gelaufen, „dass der Junge daran zerbricht, wenn wir ihm diese Chance verbauen“.

Ernsthaft können die Hoffenheimer kaum geglaubt haben, dass ihr selbstbewusster Trainer sich den rüden Umgang gefallen lassen würde. „Bis vor zwei Tagen bin ich davon ausgegangen, dass ich am Montag mit der Mannschaft nach Spanien ins Trainingslager fahre", sagte er. Das übernimmt jetzt der bisherige zweite Kotrainer Marco Pezzaiuoli, der einen Vertrag bis 2014 erhielt. Seit dem Sommer arbeitet der 42-Jährige für die TSG. Geholt hat ihn Ralf Rangnick.

42 Kommentare

Neuester Kommentar