Hoffenheim - Gladbach 0:0 : Punkteteilung in der Provinz

Beim ersten Auftritt von Marco Kurz als neuer Cheftrainer kommen die abstiegsgefährdeten Hoffenheimer nicht über ein torloses Unentschieden gegen Mönchengladbach hinaus - zeigen aber, dass sie an ihrer größten Schwäche gearbeitet haben.

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Grätschender Stürmer: Luuk de Jong (r.) setzt den Hoffenheimer Daniel Williams unter Druck. Foto: dpa
Grätschender Stürmer: Luuk de Jong (r.) setzt den Hoffenheimer Daniel Williams unter Druck.Foto: dpa

Marco Kurz gab sich alle Mühe, in seinem ersten Spiel als Cheftrainer in der Rhein-Neckar-Arena Aufbruchstimmung zu verbreiten. Gestikulierend stand er meist ganz vorne in seiner Coaching-Zone. Er pfiff und winkte, rief seinen Spielern Anweisungen im Akkord zu. Trotz des Engagements sprang im Duell mit Borussia Mönchengladbach vor 26.750 Zuschauern nur ein 0:0 heraus. Der erhoffte Befreiungsschlag blieb aus, auch, weil Joselu nur wenige Minuten vor dem Schlusspfiff die beste Hoffenheimer Chance vergab. Mönchengladbach kann mit dem Punkt eher zufrieden sein als der Tabellensechzehnte, der dennoch eine deutlich bessere Leistung zeigte als zuletzt.

Eine ganze Weile suchte die Mannschaft, die mit 41 Gegentreffern in der Vorrunde die meisten aller Bundesligaklubs kassiert hatte, die Balance zwischen solider Verteidigung und effektivem Angriffsfußball. In der ersten Hälfte gelang das dem abstiegsbedrohten Klub aus dem Kraichgau nicht ausgewogen genug, um die Mönchengladbacher vor unlösbare Probleme zu stellen. Die TSG Hoffenheim stand zu tief in der eigenen Hälfte, um aus der Defensivarbeit druckvoll genug nach vorne zu kommen. Die „Wackelabwehr“ um das neue Innenverteidigerduo Matthieu Delpierre und Jannik Vestergaard erledigte ihren Job ohne Patzer. Der tiefe Hoffenheimer Abwehrverband sorgte auch dafür, dass Tim Wiese in der ersten Hälfte keinen einzigen gefährlichen Ball abwehren musste, der seinen Ursprung im Gladbacher Angriffsspiel gehabt hätte. Juan Arangos Freistoß nach einer halben Stunde war für Wiese kein Problem.
Insgesamt aber wirkte die Spielstruktur der Hoffenheimer wesentlich stabiler als noch in der Vorrunde an deren Ende Markus Babbel als Cheftrainer gehen musste. Die Sorge um die Sicherheit des eigenen Tores hatte allerdings Auswirkungen aufs Hoffenheimer Offensivspiel. Dazu musste der neben Andreas Beck gleichberechtigte Kapitän Sejad Salihovic in der 35. Minute wegen einer Knieverletzung vom Feld. Für ihn kam Daniel Williams.
Da aber die Mönchengladbacher, die in der Vorrunde mit zuletzt fünf Bundesligaspielen ohne Niederlage einen steilen Aufstieg zu verzeichnen hatten, keine wirkungsvolle Strategie im Aufbau- und Angriffsspiel entwickelten, konnte Hoffenheim eine Partie mit vielen Zweikämpfen im Mittelfeld weitgehend kontrollieren. Zumindest das hatte der seit dem 1. Januar im Amt befindliche neue Cheftrainer Marco Kurz erreicht – seine Mannschaft stand kompakter auf dem Rasen.


In der Vorbereitung auf die Rückrunde hatte Kurz seinem Team nur einen einzigen freien Tag gegönnt, Beck und Salihovic statt Wiese zu neuen Kapitänen ernannt und intensiv Taktik und Abwehrarbeit üben lassen sowie einen Disziplin-Katalog angeordnet, der unter anderem ein Handyverbot und eine strenge Kleiderordnung vorsah. Wiese hatte trotz der Wahl in den neuen Mannschaftsrat zwar sein Kapitänsamt verloren, stand gegen Gladbach aber nach zwei Monaten wieder als Nummer eins im Tor.


Dort bekam Wiese nach der Pause mehr zu tun. Mönchengladbach entschloss sich, nun die Partie mutiger zu gestalten, ohne jedoch das Tor des ehemaligen Nationaltorhüters trotz einiger Schuss-Gelegenheiten, meist von der Strafraumgrenze, zu treffen. Strafraumszenen gab es weiterhin zu wenige. Die erste, eine Kopfballchance durch Roel Brouwers nach siebzig Minuten, zeigte dennoch: Gladbach kam besser klar. Hoffenheim leistete sich im Mittelfeld viele Ballverluste bis Tobias Weis eine Viertelstunde vor dem Abpfiff an Marc-Andre ter Stegen scheiterte.

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