Hoffenheim : Hildebrands Neustart auf dem Land

Der ehemalige Nationaltorwart Timo Hildebrand unterschreibt in Hoffenheim, der Aufsteiger unterstreicht seine Ambitionen.

Oliver Trust[Sinsheim]
Neuer Torwart Timo Hildebrand bei TSG 1899 Hoffenheim
Die neue Nummer eins. Timo Hildebrand bei seiner Vorstellung mit Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick.Foto: ddp

Timo Hildebrand hat wohl selten in den vergangenen Monaten so befreit gelächelt wie an diesem Nachmittag in Hoffenheim. Und das, obwohl die nächsten Wochen nicht gerade nach Spaß klingen. „Timo wird keinen Urlaub machen“, sagte Ralf Rangnick. Der Trainer des Bundesliga-Spitzenreiters TSG 1899 Hoffenheim stellte gestern seinen Neuzugang vor, der einen Vertrag bis 2010 bekommt. Die nächsten Wochen aber werden besser sein, als das, was Hildebrand seit knapp zwei Jahren beim FC Valencia erlebte. Dort saß der Torwart nicht mal mehr auf der Ersatzbank. Nun wird der ehemalige Nationaltorwart, der mit der Rückkehr nach Deutschland wieder Hoffnung haben kann, die Rückkehr in die deutsche A-Auswahl zu schaffen, ein intensives Einzeltraining absolvieren.

Ganz so schlimm aber wird es für den 29-Jährigen nicht werden, der 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister wurde. In Hofheim bei Worms, nicht weit von Hoffenheim entfernt, wohnen seine Eltern und „meine Mutter wird sicher ab und zu kochen“. Auch deshalb hegt Trainer Rangnick die Hoffnung, auch die „mentale Seite“ in den Griff zu kriegen. „Ich werde voll angreifen und mich zu 100 Prozent einbringen. Ich bin voll aufgetankt und motiviert“, sagte Hildebrand, der ablösefrei aus Spanien kam, und ab der Rückrunde spielberechtigt ist. Er kann im ersten Heimspiel in der neuen Rhein-Neckar-Arena gegen Energie Cottbus eingesetzt werden.

Die TSG 1899 Hoffenheim lässt mit dem Transfer aufhorchen und zeigt dem Rest der Konkurrenz, dass man es ernster meint als man bisher zugeben mochte. Während Mäzen Dietmar Hopp von Platz neun gesprochen hat, deutet Hildebrands Anstellung in eine andere Richtung. Der Aufsteiger zeigt, dass er den Spitzenplatz nicht gefährden will. In Hoffenheim hat man längst Geschmack an der exponierten Stellung des Projekts gefunden. Nach einer erfolgreichen Vorrunde strebt man nun einen internationalen Wettbewerb an.

„Timo Hildebrand bringt die Bereitschaft mit, einen Neuanfang zu starten“, sagte Jan Schindelmeiser. „Wir haben uns lange mit ihm und den großen Fragezeichen beschäftigt“, sagte der Hoffenheimer Manager. Drei Dinge seien am Ende ausschlaggebend gewesen. Hildebrand habe sein Berater-Umfeld neu geordnet, erhebliche finanzielle Abstriche in Kauf genommen und sich „extrem auf unsere Bedingungen eingelassen“, sagte der Manager. „Wenn es mir ums Geld gegangen wäre, hätte ich woanders hingehen müssen“, sagte Hildebrand. Die Verpflichtung des Torwarts sei keine Abkehr von der Philosophie, mit jungen Spielern zu arbeiten. „Hildebrand hat seine ersten Spiele unter Ralf Rangnick in Stuttgart gemacht und ist ein Vorgriff auf kommenden Sommer“, sagte Schindelmeiser. „Es gibt sogar Parallelen zu unseren jungen Spielern, auch Timo kommt, um neu anzufangen und sich nach oben zu arbeiten.“

Am Vormittag erfuhren die Hoffenheimer Profis von Rangnick und Schindelmeiser, was die meisten schon aus der Zeitung wussten. „Eigentlich wollten wir bis nach dem Spiel gegen Schalke warten, um die Vorrunde abzuschließen“, sagte Schindelmeiser. Am Sonntag trifft Hoffenheim auf Schalke und kann Herbstmeister werden. Für Hildebrand selbst ist der Wechsel ein grundlegenden Neustart seiner Karriere. Sein letztes Pflichtspiel absolvierte er am 24. August gegen Real Madrid im Super-Cup. Im Frühjahr 2008 ereilte ihn ein weiterer sportlicher Tiefschlag als ihn Bundestrainer Joachim Löw aus dem EM-Kader strich. Löw hatte bei seiner Entscheidung nicht nur sportliche Gründe geltend gemacht, sondern auch Hildebrands Berater-Umfeld einbezogen. Erst vor kurzem wechselte Hildebrand vom Spieleragenten Dusan Bukovac zur Agentur von Marcus Höfl, der eng mit Franz Beckenbauer zusammenarbeitet. „Ich will nun wieder Spaß haben und die Mannschaft mit führen“, sagte Hildebrand.

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