Hoffenheim : Wedeln mit der Sitzplatzkarte

11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster über Erfolgsfans in Hoffenheim, die nichts kennen als Jubel, Trubel, Doppelaufstieg. Langweilig, findet er.

Philipp Köster

Es ist ja das Schimpfwort des Fußballs an sich: „Erfolgsfan“. Bezeichnet es doch all diejenigen, die sich im Moment des Triumphes als weltgrößter Anhänger eines Klubs präsentieren, stolz mit ihrer Sitzplatzdauerkarte wedeln und steif und fest behaupten, schon als Säugling in Vereinsbettwäsche geschlafen zu haben. Die aber zugleich arge Probleme mit der Regelkunde haben, 4-3-3 für eine Systemwette im Mittwochslotto halten und – kaum geht es mit dem Lieblingsklub bergab – am Wochenende doch lieber Badminton spielen, als Fußball zu gucken.

Der Anteil solcher Erfolgsfans liegt bei normalen Fußballklubs bei schätzungsweise 30 Prozent, bei den Bayern sind es naturgemäß etwas mehr, bei meinem Heimatklub Arminia Bielefeld aus mir unerfindlichen Gründen etwas weniger. Womit wir bei der TSG Hoffenheim wären, an der sich derzeit ja alle abarbeiten, im positiven wie negativen Sinn. Bei der TSG ist es so, dass der Anteil der Erfolgsfans bei ungefähr 80 Prozent liegt. Vor zwei Jahren schauten gerade einmal 3000 Leute in der Regionalliga zu, alle anderen sind erst in den letzten zwei Jahren dazugekommen. Nun können aus den Erfolgsfans irgendwann einmal alteingesessene Anhänger werden. Aber derzeit tummeln sich in Hoffenheim unzählige Zuschauer, die noch nie etwas anderes erlebt haben als Jubel, Trubel, Doppelaufstieg. Nichts können sie sich erzählen von volltrunkenen Auswärtsfahrten, tragischen Niederlagen und unverhofften Siegtreffern in letzter Minute – kurz von alledem, was Fußball ausmacht.

Wer weiß, vielleicht kommt das noch. Bis dahin finde ich das Projekt Hoffenheim weder besonders verwerflich noch faszinierend – sondern nur ziemlich langweilig.

Philipp Köster schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Stefan Hermanns.
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