Hoffenheimer Dopingtest-Affäre : Zwei, drei Sätze zu viel

In der Hoffenheimer Dopingtest-Affäre droht nun auchTrainer Ralf Rangnick Ärger. Er behauptet, es sei nicht ungewöhnlich , dass die Spieler erst mit Verspätung zum Dopingtest erscheinen. Andere Bundesligisten reagieren empört.

Michael Rosentritt
Rangnick
"Die Worte von Uli Hoeneß sind das größte Kompliment, das er uns machen konnte. Schon Wilhelm Busch hat gesagt, dass Neid die...Foto: dpa

Berlin - Ralf Rangnick sagte am Sonntagabend im Südwestfernsehen, dass in der Bundesliga zur Dopingkontrolle ausgeloste Spieler durchaus mit Einverständnis des Dopingkontrolleurs nicht direkt im Dopingkontrollraum erscheinen müssten und auch andere Trainer ihm diese Praxis bestätigt hätten. Ausgangspunkt der Affäre war, dass zwei Hoffenheimer Spieler nach dem 1:1 bei Mönchengladbach am 7. Februar zehn Minuten verspätet bei der Dopingkontrolle erschienen waren.

Gestern nun forderte der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Verein sowie die Spieler Andreas Ibertsberger und Christoph Janker zu einer schriftlichen Stellungnahme auf. Ihnen wird vorgeworfen, gegen Anti-Doping-Richtlinien verstoßen zu haben; ihnen droht eine Sperre. Nach den sonntäglichen Äußerungen Rangnicks ist nun auch der Hoffenheimer Trainer aufgefordert, seine Aussagen zu konkretisieren. „Es steht außer Frage, dass der DFB die Anti-Doping-Richtlinien exakt einhält und umsetzt“, sagte Rainer Koch, der DFB-Vizepräsident. Koch, der zugleich Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission des DFB ist, sagte weiter: „Sollten bislang nicht bekannte Vorfälle durch die Antwort von Herrn Rangnick bekannt werden, so werden wir dazu sofort sportgerichtliche Ermittlungen einleiten.“

Heftiger Widerspruch aus der Bundesliga

Die Bundesliga reagierte gestern energisch auf Rangnicks Aussagen. Marcus Schweizer, Mannschaftsarzt des Karlsruher SC, bezeichnete sie als „absolutes Unding“ und verwies auf die neuen Richtlinien: „Beim KSC ist es so geregelt, dass die Spieler sofort in den Dopingraum geführt werden. Dorthin kann ich ihnen Klamotten bringen.“ Rangnick hatte gesagt, es sei nicht ungewöhnlich, dass sich Spieler noch ein neues Trikot überzögen, bevor sie zur Dopingkontrolle gingen. Das hätten ihm andere Trainer bestätigt. Zunächst galt eine Mannschaftssitzung als Grund für die Verspätung. Dieser Darstellung widersprach Rangnick am Sonntag: „Es gab keine Mannschaftssitzung. Es war wie immer, alle sind in der Kabine, ich sage noch zwei, drei Sätze zum Spiel, und das war es.“

Gladbachs Profis erschienen pünktlich

Auch der Mönchengladbacher Sportdirektor Max Eberl äußerte sich: „Es war früher normal, dass man erst in die Kabine geht, um sich vor der Dopingprobe umzuziehen. Aber das hat sich geändert: Es gibt die klare Vorgabe, dass die Spieler sofort zur Dopingprobe gehen müssen.“ Die beiden an jenem 7. Februar ebenfalls zur Dopingkontrolle ausgelosten Spieler der Gastgeber waren pünktlich im Kontrollraum erschienen.

Zwei Spieler pro Team werden ausgelost

Die Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) schreiben vor, dass die Kontrollen unmittelbar nach Spielende stattfinden müssen, um etwaige Manipulationen auszuschließen. Für den DFB arbeiten 35 unabhängige Ärzte als Dopingkontrolleure, ihnen steht in 95 Prozent der Fälle jeweils ein Assistent zur Seite. Die Anti-Doping-Kommission des DFB legt fest, welches Spiel kontrolliert wird und wer die Kontrollen durchführt. An jedem Spieltag werden je drei Spiele der Ersten und Zweiten Bundesliga ausgelost. Der Kontrolleur erscheint erst dann im Stadion, wenn Aufstellung und Ersatzspieler bereits feststehen. In der Halbzeitpause werden je zwei Spieler jedes Teams ausgelost. Der Kontrolleur teilt jedem Team 15 Minuten vor dem Spielende mit, um welche Spieler es sich handelt. Der Anti-Doping-Beauftragte der jeweiligen Mannschaft, meist in Person des Mannschaftsarztes, begleitet die Auserwählten. „Jetzt wird alles hinterfragt“, sagte DFB-Vizepräsident Koch. „Sollte sich herausstellen, dass das Kontrollpersonal zu verstärken ist, werden wir darüber reden.“ (mit dpa)

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