Hoffenheims rasanter Aufstieg : 1899 vor einem Jahr

Im Dezember 2007 dümpelte Hoffenheim in Liga zwei - mit fast der gleichen Mannschaft, die jetzt die Bundesliga aufmischt.

Sven Goldmann
TSG 1899 Hoffenheim - DSC Arminia Bielefeld
Im Dauerjubel. Demba Ba, Vedad Ibisevic und Carlos Eduardo (v.l.) freuen sich über eines der vielen Hoffenheimer Tore.Foto: ddp

In Zeiten, da Jürgen Klinsmann in der TSG Hoffenheim auf lange Sicht eine Bundesliga-Spitzenmannschaft sieht, in denen Fernsehkameras noch den letzten Hoffenheimer Kuhstall ausleuchten und das halbe Land dem Spitzenspiel gegen den FC Bayern entgegenfiebert – in diesen Zeiten lohnt sich ein Blick zurück. Nicht in die graue Vorzeit mit Dietmar Hopp als Mittelstürmer der Kreisligamannschaft im Stadion auf dem Berg, der keinen Namen hat. Sondern in eine Vergangenheit, als Hoffenheim nicht der Liebling der Intellektuellen war, aber immerhin schon im bezahlten Fußball spielte.

Blenden wir also ein Jahr zurück. Am 5. Dezember 2007 bereitet sich die TSG 1899 Hoffenheim auf den 16. Spieltag der Zweiten Bundesliga vor. Es geht gegen die Kickers aus Offenbach, deren Trainer Jörn Andersen sich das Kompliment abringt, er halte Hoffenheim für „nicht schlechter als Freiburg“.

Trotz hoher Investitionen gab es Probleme in der Offensive

Die TSG steht auf Platz acht, einen Punkt hinter Wehen Wiesbaden und einen vor Koblenz. Das ist nicht schlecht für einen Aufsteiger, aber Hoffenheim ist ja nicht irgendein Aufsteiger. Das wird im Rückblick deutlich, wenn man sich die Aufstellung anschaut, mit der sich die TSG im Dezember 2007 im Niemandsland der Zweiten Liga herumplagt. Es ist, bis auf den von der Stuttgarter Ersatzbank verpflichteten Verteidiger Andreas Beck, exakt die Mannschaft, die ein Jahr später die Bundesliga aufmischen wird. Daniel Haas hütet das Tor, vor ihm passen die Innenverteidiger Marvin Compper und Matthias Jaissle auf. Das defensive Mittelfeld verantwortet Luiz Gustavo, den offensiven Part nehmen die Antreiber Sejad Salihovic, Carlos Eduardo und Tobias Weis wahr, für das Toreschießen sind Demba Ba, Chinedu Obasi und Vedad Ibisevic zuständig. Wobei Obasi weitgehend unbekannt ist, weil er in der Hoffenheimer Aufstellung immer unter seinem Spitznamen Edu aufgeführt wird.

Ibisevic schoss in 15 Spielen nur zwei Tore

18 Millionen Euro hat Hoffenheim für die Offensivkräfte Obasi, Ba und Carlos Eduardo investiert, aber noch immer tut sich die Mannschaft schwer mit dem Toreschießen. In 15 Spielen hat die TSG gerade 21 Treffer erzielt, elf weniger als Tabellenführer Mönchengladbach (und 19 weniger, als Hoffenheim ein Jahr später nach 15 Spielen in der Ersten Liga erzielt haben wird). Die „Rheinische Post“ konstatiert, dass von den kostspieligen Neuzugängen „Ba zumindest Zweitliga-Anforderungen genügt“, doch „insbesondere der brasilianische 8-Millionen-Euro-Einkauf Eduardo einiges schuldig geblieben“ sei. Trainer Ralf Rangnick nennt den lauffaulen Dribbler wütend einen „Provinz-Pfau“.

Rangnick: "Der Aufstieg ist kein Thema"

Für das Spiel gegen Offenbach muss Carlos Eduardo verletzt passen, auch Vedad Ibisevic fällt aus, aber das stört in Hoffenheim nicht weiter. Der schlaksige Bosnier hat in 15 Spielen ganze zwei Tore geschossen, im Spiel fällt er meist dadurch auf, dass er seine Mitspieler über den Haufen rennt. Gegen Offenbach schießen Demba Ba und Francisco Copado schnell eine 2:0-Führung heraus, aber dann bricht Hoffenheim mal wieder ein und kassiert in der Nachspielzeit noch das Tor zum 2:2. „Wir bestrafen uns jedes Mal selbst und kassieren viel zu viele Tore durch individuelle Fehler“, klagt Copado.

Auch Trainer Ralf Rangnick ist enttäuscht, er bemängelt die fehlenden interne Balance, stellt sich aber hinter seine Mannschaft, die er nicht an überhöhten Ansprüchen messen lassen will. „Der Aufstieg“, sagt Rangnick, „war und ist für mich kein Thema. Wir sollten hinschauen, was hinter uns passiert.“

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