Sport : Hoffnung allein reicht nicht

Armin Lehmann

wünscht sich mehr Aufklärung über die Krankheit Depression Die Schlagzeilen in den Boulevardzeitungen ließen nichts an Deutlichkeit vermissen: „Deisler wieder in Psycho-Klinik.“ Was hinter diesen Worten steht, ist Unkenntnis und die Banalisierung der Krankheit Depression. Mit dem Begriff „Psycho-Klinik“ wird stattdessen indirekt ein Makel angedeutet und damit die zynische Logik: Der packt es eben nicht.

Aber so einfach ist das nicht. Depressionen gehören noch immer zu den häufigsten Gründen für Berufsunfähigkeit in Deutschland und zu den Hauptursachen von Selbstmorden. Trotz dieser möglichen dramatischen Konsequenzen wissen die Laien – Familienangehörige, Freunde, Kollegen, Vorgesetzte – noch immer viel zu wenig über diese Krankheit und sind dementsprechend hilflos. Sebastian Deislers Fall ist dafür exemplarisch. Als der Fußballprofi des FC Bayern im Sommer wieder lachte, trainierte und tolle Spiele ablieferte, haben viele das gedacht, was Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge laut aussprach: „Wer lacht, hat keine Depressionen.“

Auch das ist leider falsch. Man kann den Menschen im Umfeld von Depressiven nicht vorwerfen, dass sie die Hoffnung auf vollständige Heilung haben und Heilung ist ja auch nicht ausgeschlossen. Aber zu dieser Krankheit gehört leider auch der beklagenswerte Umstand, dass sie immer wieder ausbrechen kann.

Deisler hat nach Angaben seines Arztes keinen Rückfall, nur Symptome, die zum Rückfall führen könnten. Trotzdem weiß niemand, ob es Deisler nach diesen Tagen des Ausruhens langfristig besser gehen wird. Und niemand weiß heute, ob Deisler den Beruf des Fußballprofis unter Dauerdruck wirklich wird dauerhaft ausüben können – in einem Umfeld, das mehr Hoffnung hat als Wissen.

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