Sport : Hoffnung auf den Weihnachtsmann

Berlins Zweitligist Union muss heute gegen Burghausen gewinnen – sonst wird wieder über Trainer Votava geredet

Karsten Doneck

Berlin. Eigentlich hatte Heinz Werner vorgehabt, fußballerisch alles etwas ruhiger angehen zu lassen. Verständlich, der Mann ist schließlich auch schon 67 Jahre alt. Und als Vorstandsmitglied im Bund Deutscher Fußball-Lehrer, zuständig für die Traineraus- und -fortbildung im Nordosten, fühlte er sich dem Metier ohnehin noch in ausreichendem Maße verbunden. Aber mehr musste nun wirklich nicht sein. Dachte er. Bis der Zweitligist 1. FC Union ihn bekniete, in dem im Oktober neu gebildeten Präsidium Verantwortung zu übernehmen. Werner gab nach. Jetzt ist er Unions Vizepräsident. „Eigentlich war das gar nicht meine Absicht. Nur weil eine Notsituation herrschte, habe ich zugestimmt“, sagt Heinz Werner.

Es war wohl nicht nur die Notsituation allein. Es spielte ebenso dieses oft irrationale Zugehörigkeitsgefühl mit, das auch die Fans immer wieder antreibt, „ihren“ Verein durch dick und dünn zu begleiten. Heinz Werner ist dem 1. FC Union seit langem treu verbunden. Bei den Köpenickern war er von 1976 bis 1983 als Trainer tätig. Danach ließ er kaum eine Gelegenheit aus, als Zuschauer bei den Heimspielen in der Alten Försterei zu erscheinen.

In seinem neuen Amt steht Heinz Werner auf einem schwer zu beackernden Feld. „Über die Aufgabenverteilung wurde noch gar nicht gesprochen“, beurteilt Werner die Lage selbst. Doch was seine Funktion sein soll, liegt nahezu auf der Hand: Mit seinem Sachverstand als Trainer soll er sportliche Beraterfunktionen übernehmen, und zwar gleich in zweierlei Richtung: Einerseits wird Präsident Jürgen Schlebrowski ihn häufiger mal um Rat fragen, andererseits soll er Trainer Mirko Votava Anregungen und Hilfestellungen geben.

Die sportliche Lage ist für Union äußerst angespannt. Leistet sich die Mannschaft heute (19 Uhr, Stadion Alte Försterei) gegen Wacker Burghausen im letzten Punktspiel des Jahres die dritte Niederlage in Folge, müsste sie möglicherweise auf dem letzten Tabellenplatz überwintern. Dass die Aussichten ohnehin alles andere als rosig sind, ist Heinz Werner bewusst. „Die Mannschaft hat momentan 16 Punkte. Jetzt kann man hochrechnen: Ungefähr 42 Punkte – manchmal mehr, manchmal etwas weniger – benötigt man, um die Klasse sicher zu halten. Da bedarf es für uns einer Riesenanstrengung.“

Ins aktuelle Tagesschäft von Trainer Votava mag sich Heinz Werner aber nicht einmischen. Noch nicht jedenfalls. Er wartet erst einmal ab, wie im Aufsichtsrat und Präsidium die Kompetenzen abgesteckt werden. Heute Nachmittag tagt der Aufsichtsrat, am Vormittag nach dem Spiel gegen Burghausen trifft sich das Präsidium zur konstituierenden Sitzung. Der Zeitpunkt der Präsidiumssitzung eine Nacht nach dem letzten Punktspiel anno 2003 kann so zufällig nicht gewählt sein. Auch wenn Unions Sprecher Lars Töffling betont: „Es gibt keinen Zeitplan für den Fall X und auch keinerlei anderweitige Aktionspläne“, so ist doch damit zu rechnen, dass im Falle einer weiteren Niederlage gegen Burghausen über die Position von Trainer Mirko Votava – wieder einmal – geredet wird.

Heinz Werner mag sich mit diesem Szenario noch nicht beschäftigen. „Wir haben die zuletzt gesperrten Joppe, Baumgart und Sobotzik wieder dabei. Das sind drei Spieler, die maßgeblich dazu beitragen können, dass die gesamte Mannschaft sich selbst und vor allem dem Publikum ein sehr wichtiges und ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk macht – mit drei Punkten“, sagt Werner.

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