Sport : Hoffnung aus dem Bauch heraus

Michael Schumacher wird in der ersten Qualifikation zum Formel-1-Rennen in Imola Dritter – und fühlt eine Siegchance

Karin Sturm[Imola]

Eine gewisse Anspannung beim Weltmeister war nicht zu übersehen. Erst nach der ersten Qualifikation zum Großen Preis von San Marino wich sie einem gelösten Lächeln. „Jetzt glaube ich, dass wir auch die Chance haben, das Rennen zu gewinnen – wir sind wieder da“, sagte Michael Schumacher, nachdem er den neuen Ferrari F2005 beim Heimrennen der Italiener in Imola auf den dritten Startplatz gestellt hatte – auch wenn er vielleicht sogar mit noch ein bisschen mehr gerechnet hatte. Denn dass ihm der Schnellste, Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes, und auch Fernando Alonso im Renault fast vier Zehntelsekunden abgenommen hatten, „das ist doch noch ein bisschen zu viel“. Dennoch: „Mein Bauch sagt mir, dass im Rennen etwas gehen sollte.“

Der Bauch des Weltmeisters sollte möglichst Recht behalten, andernfalls ist der achte WM-Titel kaum noch erreichbar. Das heutige Rennen in Imola (Start 14 Uhr, live in RTL und Premiere) muss den Wendepunkt in einer bisher verkorksten Saison für Schumacher und Ferrari markieren. Diese Situation ist dem Deutschen nicht ganz unbekannt: Im Jahr 2003 holte er in den ersten drei Rennen nur acht Punkte, mit einem Sieg beim Grand Prix von San Marino ebnete er sich den Weg zum Titel. So wie vor zwei Jahren soll es auch diesmal laufen: Auf der Strecke, die keine 80 Kilometer vom Ferrariwerk in Maranello entfernt liegt, soll die Basis für eine neue Ferrari-Erfolgsserie gelegt werden. Ferrari will beweisen, dass der neue F2005 nach einem wenig erfolgreichen Debüt in Bahrain zum Klasseauto herangereift ist.

„Von der Geschwindigkeit konnte das Auto ja schon in Bahrain gut mithalten“, sagt Schumacher. Das stimmt, lediglich auf die Reifen traf das nicht zu. Gegen Rennende konnte Schumachers Teamkollege Rubens Barrichello seinen Wagen deswegen kaum noch auf der Strecke halten. Die Reifen werden auch in Imola wieder eine Schlüsselrolle spielen, trotzdem ist Schumacher zuversichtlich: Die tieferen Temperaturen in Europa gegenüber den Hitzerennen von Malaysia und Bahrain kommen dem Ferrari-Reifenlieferanten Bridgestone entgegen. Außerdem glaubt Schumacher, dass die Probleme im Zusammenspiel zwischen Autos und Gummi erfolgreich bekämpft wurden. In den letzten Wochen wurden viele neue Konstruktionen und Mischungen getestet, gleichzeitig hat Ferrari einige Änderungen im sensiblen Aufhängungsbereich vorgenommen. „Jetzt sollten wir unseren Speed bis zum Schluss halten können“, sagt Schumacher.

Auch Ferrari-Designchef Rory Byrne, der den F2005 entwickelt hat, glaubt an ein erfolgreiches Wochenende. Gerade in Sachen Zuverlässigkeit habe man einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht. So sei der Getriebeärger ausgestanden, der Ferrari in Bahrain das ganze Wochenende über plagte: „Wir haben ganz genau verstanden, was da schiefgelaufen ist und die Teile entsprechend modifiziert. Danach gab es bei den ganzen Tests in Barcelona, Fiorano und Mugello keinerlei Probleme mehr.“ Kleine Einschränkung: Am Freitag traten an Barrichellos Auto dann doch wieder ein paar kleine Schwierigkeiten auf.

Dass die Roten, die übrigens in Imola verkündeten, in den kommenden zwei Jahren das Red-Bull-Team mit Motoren auszurüsten, auch diesmal wieder in der Woche vor dem Grand Prix gegen alle Absprachen munter weiter testeten, sorgt bei der Konkurrenz allerdings für hochgezogene Augenbrauen. Renaults Teamchef Flavio Briatore polterte wütend: „Was Ferrari da macht, ist unsportlich und unfair. Sie denken nur an sich selbst – nicht an den Sport.“ Mehr Möglichkeiten als harsche Worte hat die Konkurrenz aber nicht.

Ferrari nimmt den Unmut der Gegner billigend in Kauf, wenn es gilt, sich wieder an die Spitze der Formel 1 zu setzen. Dass das noch klappen kann, davon sind von Jean Todt über Ross Brawn und Rory Byrne bis hin zu Michael Schumacher alle überzeugt. Ein geeigneteren Platz für das Comeback gibt es jedenfalls nicht: Michael Schumacher gewann in Imola immerhin insgesamt schon sechsmal; in den letzten drei Jahren sogar dreimal hintereinander.

Selbst dass es bisher noch nie einem Fahrer gelang, einen 24-Punkte-Rückstand in der WM aufzuholen, wie ihn Schumacher auf Alonso hat, beunruhigt den Weltmeister nicht. „Das stimmt schon“, sagt er, „aber es gab auch noch nie in der Formel-1-Geschichte eine Weltmeisterschaft mit so vielen Rennen. Alles ist noch möglich.“ Imola ist das vierte von 19 Rennen der Formel-1-Saison 2005.

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