Holger Glandorf : Der schweigsame Star

Er ist nicht der Mann, der zur großen PR taugt. Und doch jagen ihn die besten Handballklubs der Welt. Holger Glandorf sucht einen neuen Verein.

Erik Eggers
Glandorf
Holger Glandorf -Foto: dpa

Varazdin - Sein Luftstand ist schlicht spektakulär. Die Art und Weise, wie Holger Glandorf aus vollem Lauf abspringt, scheinbar ewig in der Luft steht und dann den Ball ins gegnerische Tor wuchtet, hat ihm einen exzellenten Ruf eingebracht. Seinen Durchbruch feierte der 1,97 Meter große Handballprofi von der HSG Nordhorn vor zwei Jahren, als er mit seinen Toren zum WM-Gewinn der Deutschen beitrug. Laut Bundestrainer Heiner Brand machte Glandorf danach „noch einmal einen Riesensprung“ – und avancierte in den letzten zwei Jahren zum begehrtesten Rückraum-Linkshänder der Welt. Gestern allerdings, beim WM-Spiel der Deutschen gegen Tunesien, konnte Glandorf nicht dauerhaft überzeugen. Dass der Lemgoer Michael Kraus wieder einsatzbereit war, kam Glandorf allerdings entgegen. Beide sind Freunde.

Charakterlich könnten die beiden Handballer freilich kaum unterschiedlicher sein. Während der gesprächige Kraus wie ein Popstar gefeiert wird, ist Glandorf ruhig. Während sich seine Kollegen am Tag nach dem WM-Gewinn bei einem Empfang noch lautstark feiern ließen, fuhr er bereits nach Nordhorn zurück. Glandorf ist nicht der Mann, der zur großen PR taugt. Und doch jagen ihn die besten Handballklubs der Welt. Der FC Barcelona fragte an, Champions-League-Sieger Ciudad Real, der deutsche Rekordmeister THW Kiel, die SG Flensburg-Handewitt, der HSV Hamburg, die Rhein-Neckar Löwen. Aber Glandorf sagt bloß: „Ich werde mich erst nach der WM entscheiden.“ Dass er Nordhorn im Sommer 2009 nach zehn Jahren verlassen wird, gilt jedoch als sicher.

Vieles spricht dafür, dass er zu den finanzstarken Rhein-Neckar Löwen wechselt. Wenn der Isländer Olafur Stefansson bei den Löwen rund 40 000 Euro netto verdienen soll, dann wird auch Glandorf das verlangen können. Im Gegensatz zum 36-jährigen Isländer hat er schließlich noch die Substanz, ein ganzes Spiel durchzustehen. „Natürlich wollen wir ihn gern verpflichten“, sagt Löwen-Manager Torsten Storm. Und Stefansson sagte in einem Interview mit einer isländischen Zeitung schon mehr: Er freue sich darauf, sich mit Glandorf auf seiner Position abzuwechseln und jeweils 15 Minuten pro Halbzeit zu spielen. Wenn man Glandorf darauf anspricht, sagte er nur: „Ach ja? Freut er sich? Das ist ja schön.“ 

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