Sport : Holland ist weiter

Van Bastens Team schlägt die Elfenbeinküste 2:1

Stefan Hermanns[Stuttgart]

Das war nun wirklich ein ziemlich unfreundlicher Akt der Fifa. Aber vielleicht hat der Fußball-Weltverband auch einfach nur in vorauseilender Fürsorge für den WM-Gastgeber gehandelt. Wenn alles läuft wie erhofft, treffen die Deutschen nämlich im Viertelfinale der WM auf die Holländer, und wenn es bei denen so weiter läuft, werden sie eine in sich gefestigte Mannschaft aufs Feld schicken können. Die Holländer haben ihr Faible für den Teamgeist entdeckt, seitdem Marco van Basten das Team betreut. Aber die Technische Kommission der Fifa hat gestern ein bisschen korrigierend eingegriffen. Nach Hollands 2:1 (2:1) gegen die Elfenbeinküste wählte sie Arjen Robben zum „Man of the match“.

Robben hatte schon beim ersten Sieg der Holländer gegen Serbien-Montenegro alle Bälle für sich beansprucht und anschließend auch sämtliches Lob abgegriffen. Ob er überrascht sei von der Wahl zum besten Spieler, wurde Robben nach der kleinen Zeremonie gefragt. Überrascht war er vor allem von der Frage: „Meinen Sie, jemand anderes hätte es verdient?“, erwiderte Hollands Linksaußen. Ehrlich gesagt – ja.

Zum Beispiel Hollands Rechtsaußen Robin van Persie. Der 22-Jährige hatte nach dem Auftaktspiel ein bisschen mehr Gemeinsinn von Robben angemahnt, weil er auf der rechten Seite fortwährend ignoriert worden war. Gegen die Elfenbeinküste bewiesen die Holländer gestern, dass sie nicht nur wagemutigen Offensivfußball können und immer stabiler in ihrer Defensive werden – sie haben auch eine soziale Ader. Das Spiel wirkte wie ein Akt der Rehabilitation für alle zuvor Verschmähten. Van Persie bekam schon in der ersten Viertelstunde mehr Bälle als gegen die Serbien im gesamten Spiel. Zwei Flanken verfehlten zunächst noch knapp den Mittelstürmer Ruud van Nistelrooy, doch dann brachte van Persie seine Mannschaft mit einem direkt verwandelten Freistoß in Führung (23. Minute). Jean-Jacques Tizié stand zwar genau dort, wo der Ball hinkam; der allerdings hatte eine solche Wucht, dass der Torhüter der Elfenbeinküste keine realistische Abwehrchance besaß.

Es war nicht die einzige gute Tat van Persies. Eine Viertelstunde vor Schluss rettete er auf der Linie gegen einen Kopfball von Didier Drogba und sicherte den Holländern damit den Sieg, der sie schon nach dem zweiten Gruppenspiel ins Achtelfinale bringt. Für den WM-Debütanten von der Elfenbeinküste ist das Abenteuer Weltmeisterschaft dagegen schon nach der Vorrunde beendet. „Wir sind noch nicht so weit, dass wir gegen die großen Fußballnationen bestehen können“, sagte Trainer Henri Michel.

Wie schon gegen Argentinien konnten die Ivorer auch gegen Holland mithalten, gewinnen konnten sie nicht. „Es sieht hübsch aus, aber es reicht nicht“, sagte Michel. Auch diesmal mussten sie einem 0:2-Rückstand hinterherlaufen. Nur vier Minuten nach van Persies Freistoßtor baute Ruud van Nistelrooy die Führung aus, nachdem Arjen Robben mit einem Pass in die Tiefe die komplette ivorische Abwehr lahmgelegt hatte. Zwei Wochen vor seinem 30. Geburtstag erzielte van Nistelrooy sein erstes Tor bei einer Weltmeisterschaft überhaupt.

Trotz der beruhigenden Führung wurde es für die Holländer noch ein anstrengender Arbeitstag, bevor die 25 000 Oranje-Fans in Stuttgart ihre gewohnt ausgelassenen Feierlichkeiten unbeschwert fortsetzen konnten. „Anstatt unser Spiel zu spielen, mussten wir verteidigen“, sagte van Basten. „Im Mittelfeld wurden wir ein bisschen über den Haufen gelaufen.“

Nach dem 2:0 dominierten die Afrikaner das Geschehen, Didier Zokora traf aus gut 22 Metern das Lattenkreuz (33.), fünf Minuten darauf gelang Bakary Koné der Anschlusstreffer. Begünstigt wurde das 1:2 unter anderem durch kleidungstechnische Probleme bei Mark van Bommel. Hollands defensiver Mittelfeldspieler musste an der Seitenlinie seine Hose tauschen. Er hatte seine Position noch nicht wieder eingenommen, als Koné aus van Bommels Revier einen Lauf durchs gesamte holländische Mittelfeld startete, den er mit einem platzierten Schuss abschloss.

Nach der Pause schickte van Basten die beiden Hamburger Khalid Boularouz und Rafael van der Vaart zu ihrem WM-Debüt aufs Feld. Van der Vaart sollte das Mittelfeld entlasten, es gelang ihm nur bedingt. „Es ist nicht einfach, wenn man drei Monate nicht gespielt hat“, sagte van der Vaart. Vielleicht tröstet es ihn: Für den Rest der Mannschaft war es auch nicht einfach.

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