Sport : Holy Night mit Truthahn

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Helmut Schümann über die Verweichlichung des Fußballs auf der Insel

Gestern noch dies: Cambridge ruderte gegen Oxford, wackere, junge Männer, die den Märzwinden trotzen, die im eiskalten Winter die Themse auf und ab trainierten, kotzten am Ende vor Erschöpfung und nichts haben wollten für all das. Heute nun das: Englands Fußball führt die Winterpause ein, zwei lange Wochen, in denen die Weicheier am Ofen sitzen, statt im Schlamm den Ball zu traktieren. Was soll das?

Die letzten Bastionen bröckeln. Ja, habt ihr den Schuss nicht gehört, da drüben auf der Insel? Arbeitszeitverlängerung ist das Gebot des Augenblicks, nicht ihre Verkürzung. Und wohin es führt, wenn Fußballspieler zu viel Zeit haben – wir wissen es seit Oliver Kahn, der doch immer so guckt, als sei er englischer Fußballspieler von Geburt und Gemüt. Oder Paul Gascoigne, George Best, Terry Adams oder Viennie, the Axe, Jones, was machten die, wenn sie nicht Fußballspielen durften? Soffen sich die Hucke voll und verprügelten ihre Frauen. Auch nicht schön.

Oder die Fans? Was sollen die jetzt machen, wenn am ersten Weihnachtstag kein Ball mehr rollt in Britannien? Truthahn in Pfefferminzsoße essen und „Holy Night“ summen? Es ist dem Engländer doch eher wesensfremd, „Holy Night“ zu summen, wenn er „When you walk through a storm, hold your head up high“ singen kann. Es geht noch weiter, das berühmteste Lied des Fußballs, es spricht vom aufrechtem Gang durch die Dunkelheit, durch Wind und Regen. Und es schmettert den Choral, dabei nicht alleine sein zu müssen: „You’ll never walk alone.“ Historie also auch dies. Und wer schützt jetzt die englischen Fußballer-Frauen? Ruderer, an die Riemen!

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