Homophobe Äußerungen : Daum entschuldigt sich bei schwulen Fans

Der Kölner Trainer Christoph Daum hat sich für seine Aussagen in einer TV-Dokumentation entschuldigt, in denen er Homosexualität mit Pädophilie in Zusammenhang gebracht hatte. Bei einem Treffen mit dem schwul-lesbischen Fanclub "Andersrum rut-wiess" bedauerte er seine Äußerungen, die nicht seiner Lebenseinstellung entsprächen, und bot von sich aus eine Zusammenarbeit bei Aktionen gegen Homophobie an.

Peer Göbel

Christoph Daum, Trainer des Bundesligisten 1.FC Köln, hat sich deutlich von seinen homophoben Äußerungen distanziert. Am Donnerstag fand ein Gespräch mit Vertretern des schwul-lesbischen Köln-Fanclubs "Andersrum rut-wiess" statt, der Daum für seine Aussagen in einer im Mai 2008 im DSF ausgestrahlten Dokumentation scharf kritisiert hatte.

Bei dem Treffen entschuldigte sich Daum für seine Äußerungen. Er stellte klar, dass er sie so nicht hätte abgeben sollen, dies entspräche überhaupt nicht seiner Lebenseinstellung.

Fans beeindruckt von Daums Offenheit

In dem 90-minütigen persönlichen Gespräch erläuterte der Trainer seine Beweggründe und Gedanken. "Offener und authentischer kann man das nicht erzählen", berichtet Fanclub-Mitglied Patrik Maas im Gespräch mit tagesspiegel.de. Die schwulen Fans zeigten sich beeindruckt von der Offenheit Daums. "Er hat uns engagiert seine Einstellung deutlich gemacht", erzählt Maas, "und die ist alles andere als homophob."

Daum räumte ein, die Äußerungen seien am Ende eines langen Interviews entstanden, bei dem es eigentlich um etwas anderes ging. Er sei darauf nicht vorbereitet gewesen, er habe nicht weiter nachgedacht. Dazu Maas: "Christoph Daum ist ein impulsiver Mensch. Er redet schneller, als er denkt. Und dafür liebt ihn Deutschland ja."

Der Trainer habe deutlich gesagt, Kindesmissbrauch sei ein allgemeines, zu verurteilendes gesellschaftliches Problem und hätte nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun. Es sei nicht seine Absicht gewesen, gleichgeschlechtliche Lebensformen mit Pädophilen in Verbindung zu bringen.

Daum würde Coming-Out unterstützen

Außerdem bot er dem Fanclub an, ihn bei Aktionen gegen die Diskriminierung von Lesben und Schwulen zu unterstützen. Er habe den Fan-Vertretern glaubhaft versichert, dass er keine Berührungsängste hätte und einen Spieler seiner Mannschaft unterstützen würde, wenn er sich outen will. "Da bin ich Christoph Daum dankbar", fasst Maas das Gespräch zusammen, "der ganz klar sagt: Wenn sich bei mir einer outet, dann stehe ich hinter ihm."

In der DSF-Dokumentation hatte Daum gesagt: "Da wird es sehr deutlich, wie sehr wir dort aufgefordert sind, gegen jegliche Bestrebung, die gleichgeschlechtlich ausgeprägt ist, vorzugehen. Gerade den uns anvertrauten Jugendlichen müssen wir mit einem so großen Verantwortungsbewusstsein entgegentreten, dass wir gerade die, die sich um diese Kinder mit kümmern, dass wir denen einen besonderen Schutz zukommen lassen. (...) Ich würde den Schutz der Kinder über jegliche Liberalisierung stellen."

Der Trainer hatte Kritik von Medien und Politik einstecken müssen, auch der Verein hatte sich von seinen Äußerungen distanziert.

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