Sport : Hongkong – Japan 0:4

16. Mai, Hongkong-Stadium, Fans: 4000, darunter einige „ausländische Teufel“

Benedikt Voigt

Wer in der Halbzeitpause im Hongkong- Stadium zufälligerweise ein leckeres Hühnchen zerlegen will, sollte dringend den Hinweis auf der Anzeigetafel beachten: „Nach dem Berühren von Geflügel sofort die Hände waschen!“ Andere Tätigkeiten seien ganz zu unterlassen, mahnt die Leuchtschrift: „Das Füttern von Vögeln ist verboten – verhindern Sie die Ausbreitung der Vogelgrippe!“ Außerdem sollen Hongkongs Fans doch bitteschön stehendes Wasser sofort auskippen, um das Dengue-Fieber einzuschränken. Okay?

Immerhin, das Halbzeitprogramm ist unfreiwillig witzig, im Gegenteil zum einseitigen Olympiaqualifikationsspiel zwischen Hongkong und Japan. Hongkongs Unter-23-Jährige sind chancenlos und verlieren verdient 0:4. Rund 4000 Zuschauer lockt das Duell an diesem feuchtschwülen Mittwochabend in das 40 000 Zuschauer fassende Hongkong-Stadium in Happy Valley. Darunter sind trotz der Anfangszeit von 20.10 Uhr erstaunlich viele Kleinkinder. Einige Mütter nutzen das Spiel, um ihren Jüngsten auf den Treppen das Laufen beizubringen. Unter den Fans sind auch einige „Gweilos“ (so werden in Hongkong westlich aussehende Menschen genannt, ursprünglich heißt dieser Begriff „ausländischer Teufel“). Diese britischen und australischen Fans leiden offenkundig unter Live-Fußballentzugserscheinungen. Vor allem jener Engländer, der sein Gesicht Rot und Weiß bemalt hat und unaufhörlich „Hongkong, Hongkong!“ brüllt. Später erfasst auch ihn das Phlegma seiner Sitznachbarn.

Falls sie den Schlusspfiff gegen 22 Uhr nicht mitbekommen haben sollten, hilft übrigens die Anzeigetafel. „Das Programm ist jetzt vorbei“, ist dort zu lesen. Gut zu wissen. Jetzt können wieder Hühnchen zerlegt werden.

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