Sport : Hongkongs deutscher Tag

Große Erfolge bei Herbstrennen in Sha Tin

Hartmut Moheit[Hongkong]

Im Führring lief Quijano geradezu trotzig hinter dem haushohen Favoriten Dylan Thomas her. Als wollte er mit dieser Respektlosigkeit demonstrieren, dass sich die Wetter in dem vierjährigen Pferd aus Großbritannien irrten. Quijano war es offenbar völlig egal, wer ihm da ab und zu seinen Schweif ins Gesicht wedelte. Auf den deutschen Hengst von Trainer Peter Schiergen hätten die Wetter lieber hören sollen. Im mit rund 1,3 Millionen Euro dotierten Rennen um die Hongkong Vase hatte Dylan Thomas letztlich keine Chance. Quijano hingegen zeigte unter Jockey Andrasch Starke eine starke Leistung, wurde seinem guten Ruf gerecht und landete auf Platz zwei.

Dabei verlief das Rennen alles andere als optimal für den Fünfjährigen. „Es begann zu langsam, dann gab es auch noch einen Rempler“, berichtete Peter Schiergen. „Ohne Blessuren ging es schließlich auch nicht ab.“ Aber das alles hatte Quijano weggesteckt und griff am Schluss auch noch an. Lediglich Doctor Dino aus Frankreich unter Olivier Peslier erreichte er nicht mehr. Eineinhalb Längen fehlten Quijano zum ersten Sieg eines deutschen Pferdes bei den international hochkarätigen Herbstrennen auf der Rennbahn in Sha Tin.

Die große Überraschung des Rennens war jedoch mit Bussoni und dessen Jockey Christophe Soumillion ein anderes deutsches Pferd. Der Außenseiter bestimmte vom Start an den Rennverlauf mit, führte auf der Zielgeraden bereits mit zwei Längen und wurde letztlich gefeierter Dritter. Das ausgezeichnete Abschneiden der Deutschen komplettierte Egerton mit Torsten Mundry, der wie im Vorjahr als Sechster ebenfalls noch eine sehr gute Platzierung erreichte.

Dass der Sonntag in Sha Tin zu einem großen Tag der Deutschen wurde, dafür sorgte auch noch ein Trainer, der seit zwei Jahren in Hongkong arbeitet: Andreas Schütz. Einst hatte er „beim Punkt null angefangen“, wie er sagt, „selbst Schrubber und Eimer mussten wir erst kaufen.“ Jetzt zählt er bereits zu den Großen der Rennszene. Der fünfjährige Wallach Good Ba Ba bescherte dem kahlköpfigen Kölner mit seinem Erfolg in der mit 1,6 Millionen Euro dotierten Hongkong Mile den großen Durchbruch. Mitte der Geraden kämpfte sich der Favorit in Front und hatte im Ziel die Spitze der Nase vorn.

Für seine Karriere dürfte Schütz der Sieg mit Good Ba Ba nun in Hongkong ganz neue Perspektiven eröffnen. Besitzer mit überdurchschnittlichen Pferden hatten bisher andere Trainer verpflichtet. „Dieser Erfolg wird ihm sehr helfen, dass sich das zukünftig ändert“, sagte Winfried Engelbrecht-Bresges. Der Chef des Hong Kong Jockey Club, des größten Steuerzahlers in der ehemaligen britischen Kronkolonie, hatte Schütz diese Entwicklung von vornherein zugetraut. Er hatte auch auf Good Ba Ba gesetzt. Und noch eines hatte Engelbrecht-Bresges vorhergesagt: „Quijano traue ich ein großes Rennen zu.“ Beides ist aufgegangen.

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