Sport : Honig am Holm

Hambüchen patzt – und fährt dennoch zur Kunstturn-WM

Jürgen Roos

Villingen-Schwenningen. Drei Tickets sind ausgestellt, der Rest ist Ungewissheit. Bei der zweiten Weltmeisterschafts-Qualifikation der deutschen Kunstturner in Villingen-Schwenningen machte der Chef-Bundestrainer Andreas Hirsch keinen glücklichen Eindruck vor seinem Laptop. Weil die Ergebnisse der ersten Ausscheidung ordentlich durcheinander gewirbelt wurden, hat sich seine Aufgabe zu einer wahren Höchstschwierigkeit entwickelt. In den nächsten Wochen muss Hirsch eine Turnriege zusammenstellen, die sich bei der WM im August in Anaheim/USA für die Olympischen Spiele 2004 in Athen qualifizieren soll. Immerhin: Mit Fabian Hambüchen (Wetzlar), Stephan Zapf (Stuttgart) und Ronny Ziesmer (Cottbus) haben gestern bereits drei Turner eine feste WM-Zusage bekommen.

„Die Aufgabe bleibt kompliziert“, sagte Hirsch, der nun mit zehn Athleten in die WM-Vorbereitung nach Kienbaum startet und am 26. Juli die siebenköpfige Mannschaft benennen will. „Wir haben einfach keine stabilen Säulen“, sagte Hirsch, „aber wir haben auch gesehen, dass viel Potenzial da ist.“ Ausgeschöpft haben es nur die drei Erstplatzierten, Ronny Ziesmer, Christian Berczes und Sven Kwiatkowski. Nerven zeigte dagegen Fabian Hambüchen, der zweimal patzte. Der erst 15-Jährige war nach seinem Sieg bei der ersten Ausscheidung schon als kommender Star gehandelt worden.

Das alte Lied ist die fehlende Stabilität. „Wir müssen jetzt Übungen turnen – immer wieder und unter allen möglichen und unmöglichen Bedingungen“, sagte Ziesmer, der die Launenhaftigkeit seiner Kollegen wohl bemerkt hatte. Stephan Zapf, in Villingen-Schwenningen auch nicht fehlerfrei und am Ende Vierter, glaubt, dass die nächsten vier Wochen reichen werden. „Viele waren unsicher, weil sie in den beiden Wettkämpfen ihre Ausgangswerte noch einmal hochschrauben wollten – das ist natürlich risikoreich“, sagte er. Für Fabian Hambüchen waren die beiden Fehler schließlich kein größeres Problem. „Am Barren war da plötzlich Honig am Holm, wo er gar nicht hingehört, und am Reck waren es Dummheitsfehler“, sagte Hambüchen, der als jüngster deutscher Turner aller Zeiten das WM-Ticket in der Tasche hat.

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