Hooligans in Polen : Feindschaften werden gepflegt

Vor der EM 2012 kämpft Polen gegen Hooligans. Auch der europäische Fußballverband Uefa weiß um die Probleme und beobachtet die Situation.

Katja Reimann

BerlinSie kommen ohne Tickets, Stunden vor dem Anpfiff und eigentlich interessiert sie nur eines – Randale. Seit Jahren schon sind Hooligans ein Problem, das die polnische erste Liga, die Extraklasa, umtreibt. Nun, da sich Polen gemeinsam mit der Ukraine auf die Ausrichtung der Europameisterschaft im Jahr 2012 vorbereitet, wird dies noch brisanter. Am Dienstag erst nahm die Polizei 741 randalierende Jugendliche fest, nachdem es vor einem Spiel der beiden Warschauer Erstligisten Legia und Polonia zu einer Straßenschlacht gekommen war.

Für Adrian Skubis, Sprecher der Extraklasa, sind solche Vorfälle jedoch keine rein polnische Angelegenheit. „Es sind die gleichen Probleme wie in jedem anderen europäischen Land auch“, sagte er. Gerade erst habe die polnische Regierung gemeinsam mit dem Fußballverband ein neues Projekt gestartet. In den kommenden zwei Jahren soll ein umfassendes elektronisches Informations- und Identifikationssystem entstehen, in dem Randalierer erfasst werden können. Zudem gebe es seit etwa zwei Jahren Diskussionsrunden, in denen Fans regelmäßig über faires Verhalten informiert würden. Viel Erfolg brachte dies bislang wohl nicht. Ein Kenner der Warschauer Sportszene sagte dem Tagesspiegel, dass vor allem zwischen den Warschauer Klubs Legia und Polonia eine gepflegte Feindschaft bestehe. Bei der EM werde Gewalt in dieser Form jedoch kein Thema sein. „Da geht es ja nicht um Klubs, sondern um Nationen. Das ist etwas völlig anderes.“

Auch der europäische Fußballverband Uefa weiß um die Probleme in Polen und beobachtet die Situation. Dies bestätigte der Uefa-Mediendirektor William Gaillard. Für März 2009 sei bereits eine Konferenz in Krakau geplant. Dort wolle die Uefa gemeinsam mit polnischen Sicherheitsbehörden und dem Fußballverband über Maßnahmen gegen Rassismus und Gewalt im Stadion diskutieren. Dass Polen bereits vier Jahre vor Beginn der EM beginnt, aktiv gegen Hooligans vorzugehen, hält Gunter Pilz, Fan-Forscher von der Universität Hannover, für ausgesprochen gut. Die polnische Hooliganszene sei weitaus brutaler als die deutsche, viele ihrer Mitglieder kämen aus kriminellen Milieus. „Unter den jetzigen Bedingungen müsste man sich sicher fürchten“, sagte Pilz. „Aber bis 2012 ist es ja noch lange hin.“ (mit grom)

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