Sport : Hoppegarten: Das Pferd als Fluchttier

Ernst Podeswa

Es könnte an den Hauptdarstellern liegen, dass die Entwicklung Hoppegarten davon gelaufen ist. Pferde sind Fluchttiere, sie müssen rennen, was die Beine hergeben, wenn Gefahr droht. Seit etwa dem 16. Jahrhundert hat sich der Mensch diese Eigenschaft zunutze gemacht. Und das englische Vollblut auf Geschwindigkeit gezüchtet. Für Rennen und darauf basierende Wetten. Beides very british. Vielleicht haben die Deutschen deshalb Probleme mit dem "Kulturgut Pferd", wie Feingeister dies bewundernd nennen.

Wolfgang Horstmann sieht die Sache pragmatischer. Der Chef der Treuhand-Nachfolgerin sagt, auf ein Konzept, wie das jetzige einer Bietergemeinschaft habe er "jahrelang gewartet". Nun gut, Wellness-Hotel, Kino, Pferdemuseum, ein Wild West Camp und dazu attraktive Galopprennen, das hört sich verlockend an. Aber vor allem der Projektname scheint es ihm angetan zu haben - Horse Park. Das klingt nach Pferdepflüsterer Robert Monty, nach dessen Filmdouble Robert Redford oder nach Hollywood und Pferde-Disneyland.

Für Paul Schockemöhle aber ist das alles Wein in alten Schläuchen. Der ehemalige Springreiter und heutige Geschäftsmann hatte Ähnliches kurz nach der Wende vor. Mit Rennen auf Topniveau, sanfter Touristik und Freizeitangeboten, mit einer überdachten Trainierbahn. 50 Millionen Mark sollten investiert und rund 1000 Arbeitsstellen geschaffen werden. Doch der Widerstand des Union-Klubs, des Landes Brandenburg und der Gemeinde waren zu massiv. Heute erhofft man von "Europas größtem Freizeitpark" das Ende aller Nöte. Obwohl das Pferd ein Fluchttier ist.

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