Hoppegarten : Glanz wie früher

Ausgerechnet die einzige Stute im Feld, die von Hans-Jürgen Gröschel in Hannover trainierte Waleria, im Vorjahr noch Dritte, stellt alle Prognosen auf den Kopf.

Hartmut Moheit

HoppegartenMit leuchtenden Augen, wie immer das Fernglas am linken Arm baumelnd, geht Peter Schiergen in Richtung Geläuf. Seine Laune ist nicht nur deshalb so gut, weil der ehemalige Star-Jockey und heutige Champion-Trainer an diesem Tag bereits zwei Siege verbuchen konnte, es hat einfach etwas mit Hoppegarten zu tun. „Ich bin hier sehr gern“, erzählt der Kölner und erinnert sofort an 1991, als der von Zino Davidoff ins Leben gerufene Preis der Deutschen Einheit zum ersten Mal ausgetragen wurde. „Es war für mich einer der schönsten Renntage, die ich je erlebt habe“, sagt Schiergen. Mehr Zeit zum Schwelgen in Erinnerungen hat er nicht. Auf dem Programm steht schließlich die 17. Auflage des mit 50 000 Euro dotierten Europa- Gruppe-III-Rennens. Drei Sieger hat er in den zurückliegenden Jahren hier bereits gesattelt, und mit dem dreijährigen dunkelbraunen Hengst Axxos erneut den großen Favoriten im Feld der elf Pferde. „Er ist sehr gut drauf“, kündigt er an.

Mit Schiergen erwarten 14 500 Zuschauer den Höhepunkt des Tages. Doch ausgerechnet die einzige Stute im Feld, die von Hans-Jürgen Gröschel in Hannover trainierte Waleria, im Vorjahr noch Dritte, stellt alle Prognosen auf den Kopf. Vom letzten Platz aus gelingt es Jockey Wiktor Schulepow, die Vierjährige auf der Zielgeraden noch um eine Dreiviertellänge vor Axxos mit Jockey Andrasch Starke zu bringen und damit die 32 000 Euro Siegprämie zu gewinnen. Eineinhalb Längen dahinter folgt ein Hengst namens Davidoff. Mit diesem Namen sind die Glanz-Nachwende-Zeiten in Hoppegarten verbunden, die diesmal nicht nur bei Peter Schiergen in Erinnerung gerufen wurden.

Die Frage des Tages ist nicht nur, wer den Preis der Deutschen Einheit 2007 gewinnt, sondern auch, wie es um die Zukunft der Parkbahn am Berliner Stadtrand bestellt ist. Sie bleibt weiter unbeantwortet, nur Gerüchte sind zu vernehmen. Dass der Sprecher der Geschäftsführung der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), Wolfgang Horstmann, mit dem Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate den ganzen Tag über das Gelände streift, wird sehr aufmerksam registriert. Die BVVG ist für den Verkauf des gesamten Areals zuständig. Ob sich aus dem Besuch des Botschafters sogar eine Option für die Zukunft ergeben kann, möchte gestern niemand kommentieren.

Mit Spannung wird nunmehr die Aufsichtsratssitzung der BVVG am 15. Oktober erwartet. Eine Entscheidung muss her, denn die Planungen des Hoppegartener Rennvereins für 2008 sind ansonsten nicht umsetzbar. Auch Peter Schiergen sagt: „Es wird Zeit, dass Hoppegarten in eine sichere Zukunft geht. Die Bahn hier ist einfach herrlich.“ Hartmut Moheit

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