Sport : Hoppegarten: Querelen schon im Verband

Ingo Wolff

Hoppegarten hat ein Problem - ein finanzielles. Schuld an dieser Misere ist aber nicht ausschließlich das Präsidium des Union-Klubs. Wenn auch einige Entscheidungen des Rennvereins umstritten sind. Vielmehr beruht die Geldknappheit aus der Gesamtsituation des deutschen Galoppsports. Der ist von Finanznöten betroffen, und nur wenige Rennvereine können sich derzeit gegen den rückläufigen Wettumsatz stemmen. Knapp zehn Prozent hat sich der deutsche Gesamtumsatz allein im vergangenen Jahr verringert - Hoppegarten reiht sich da nur ein. Aber auch viele Sponsoren kehrten den Rennvereinen den Rücken. Selbst herausragende sportliche Erfolge bei hochdotierten ausländischen Rennen können nicht über den Niedergang des deutschen Galoppsports hinwegtäuschen. Obwohl das immer besser werdende Pferdematerial in Deutschland zum Exportrenner wird, streben immer weniger Menschen zu den Bahnen - auch nach Hoppegarten.

Einer, der aus dem Desaster Konsequenzen zog, war Christoph Berglar. Er stellte zum Jahresende seine Position als Geschäftsführer des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen, dem deutschen Dachverband, nach zwei Jahren zur Verfügung. Doch nicht nur der wirtschaftliche Niedergang führte zu dieser Entscheidung. Vielmehr konnte er seine Ideen nicht umsetzten. Das Wetten über Internet hat sich zu wenig durchgesetzt, und spezielle Wettcafes sind nicht in der Zahl entstanden, wie erhofft. Selbst die Ausgliederung der Marketingabteilung sowie des TV-Magazins "Telewette" an das Internet-Unternehmen Fluxx.com und die Kooperation mit der italienischen Wettgesellschaft Sisal haben sich kaum positiv ausgewirkt.

Hintergrund sind Querelen hinter den Kulissen des Verbandes - dem zum Großteil Präsidenten der Rennklubs angehören -, die das Verhältnis zwischen den Vereinen verschlechtert haben. Da der Verband bei den Vereinen nur wenig Einfluss hat, steht er den Machtkämpfen hilflos gegenüber und kann seine übergeordnete Rolle nur selten wahrnehmen. Da die Beteiligten - obwohl gesagt wird, im Interesse der Galoppsports zu handeln - nicht an einem Strang ziehen, wird der Öffentlichkeit ein wenig geschlossenes Bild vermittelt. Darunter leidet auch Hoppegarten, wo nach der Wiedervereinigung Galoppsport-Engagierte versucht haben zu helfen. Genau das hat am Ende aber für Chaos gesorgt. Der Union-Klub war im Kleinen zeitweise ein Spiegelbild des Verbandes im Großen.

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