Hoppegarten : Reiten wie im Fluge

Erstmals gewinnt ein Pferd aus Hoppegarten den Preis der Deutschen Einheit auf der Heimatbahn.

Hartmut Moheit[Hoppegarten]
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Zu Hause im Ziel. Alexander Pietsch auf Antara durfte in Hoppegarten den ersten Heimsieg an einem Einheitstag feiern. Foto: Frank...

An Selbstvertrauen mangelt es Alexander Pietsch ohnehin nicht. Als der 37 Jahre alte Jockey aus Dresden jedoch vor dem 19. Preis der Deutschen Einheit vollmundig verkündete, dass es für die Konkurrenz gegen sein Pferd und ihn hart werden würde, musste er selbst darüber schmunzeln. Die 12 000 Zuschauer beim Saisonhöhepunkt auf der Galopprennbahn in Hoppegarten hatten diese Ansage durchaus ernst genommen, wie sich später am Wettschalter zeigen sollte, aber die großen Favoriten für das Europa-Gruppe-III-Rennen über 2000 Meter waren andere. Vor allem Titurel mit Adrie de Vries im Sattel und der vom Franzosen Yann Lerner gerittene Liang Kay zogen das meiste Interesse auf sich. Antara, der einzigen Stute im Feld, trauten die meisten Zuschauer allenfalls eine Platzierung dahinter zu. Dabei hatte auch der Hoppegartener Trainer Roland Dzubasz alle gewarnt: „Antara ist sehr klug, sie strengt sich erst immer zum Schluss an.“

Genau das passierte an diesem Renntag auch, der für Hoppegarten zu einem Festtag werden sollte. Noch nie zuvor hatte ein am östlichen Stadtrand von Berlin trainiertes Pferd den Preis der Deutschen Einheit gewonnen. Und Dzubasz, der mit 44 Siegen bis vor diesem Höhepunkt ohnehin schon zu den Top-Trainern in Deutschland zählte, hatte zuvor noch nie einen Gruppe-Sieger gesattelt. Bis zum 3. Oktober 2009, denn mit Antara schaffte er nunmehr den ersehnten Durchbruch. Was zu Beginn des mit 50 000 Euro dotierten Rennens nicht einmal so aussah. Während Antara in dem zehn Pferde starken Feld zunächst weit hinten galoppierte, bestimmte vorn Palermo unter Josef Bojko das Tempo bis in die Zielgerade hinein. Noch im Führring hatte sich der von Christian Zschache trainierte Hengst ein Hufeisen abgerissen und erhielt kurzfristig eine Neues. Vielleicht fehlte ihm auch deshalb im Finish ein wenig die Kraft. Aber gegen den Antritt und Schlussspurt von Antara hätte er ohnehin nichts ausrichten können.

Schon einhundert Meter vor dem Ziel konnte Alexander Pietsch die Peitsche in Siegerpose schwingen, am Ende hatte sein Pferd sogar acht Längen Vorsprung vor Liang Kay, Tempelstern mit Jockey Andreas Suborics und schließlich Palermo.

„Von dieser Leistung war ich selbst ein wenig überrascht“, sagte der gefeierte Siegjockey Pietsch hinterher und verriet: „Als Zweijährige hat Antara schon mal eine ähnliche Leistung gezeigt. Daran habe ich mich erinnert.“ Als Pietsch dann noch sagte, dass Antara wie ein Flugzeug gestartet sei, schwoll der Jubel der Zuschauer für ihn noch einmal kräftig an.

Lange hatte es in Hoppegarten keine derart gute Stimmung bei einem Galopprennen gegeben. Die beste Laune von allen hatte aber ein 21-jähriger Student aus Polen. In der Viererwette des Tages hatte er 180 Euro investiert, die vier Erstplatzierten auch genau richtig, und konnte letztlich dafür 30 000 Euro kassieren. Und das bei seinem allerersten Besuch auf einer Rennbahn. Er hatte sich erst von einem Trainer erklären lassen, wie man überhaupt einen Wettschein ausfüllt.

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