Sport : Hornlos glücklich

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Einmal mehr spielt Hoeneß die Hauptrolle. Natürlich steht er im Rampenlicht, umringt von Frauen und Männern mit Kameras und Mikrofonen. Er lässt den Medienrummel stoisch über sich ergehen, weiß er doch um seine Klasse. Die Zeiten der Abteilung Attacke sind spätestens seit seinem letzten Geburtstag vorbei, er muss sich nichts mehr beweisen. Nicht einmal Hörner braucht er, um seinen Rang zu verteidigen.

Die Rede ist vom hornlosen Bullen Hoeneß vom Besamungsverein Neustadt, gestern hat er seinen Einstand auf der Grünen Woche gegeben. Bulle Hoeneß, hat man da nicht etwas verwechselt? Wäre es nicht nahe liegender, den Stier nach Franz Roth zu benennen, dem einzigen Spieler, der in drei Europapokalfinals das 1:0 erzielen konnte, natürlich jedes Mal für den FC Bayern? Dem Spieler, dessen kraftvolle Spielweise ihm den zärtlichen Kampfnamen Bulle Roth einbrachte?

Eine Bullentaufe aber ist kein Wunschkonzert. Es gibt ein strenges Regelwerk: Der Anfangsbuchstabe des Vaters muss übernommen werden, und da der Vater Hedetoft hieß, war eben Hoeneß die erste Wahl. Alphamännchen steht Pate für Alphamännchen: Hoeneß ist ein echter Champion, der Bulle mit dem höchsten Relativzuchtwert Fleisch, sein Qualitätssperma hat den Umsatz seines Vereins über die 20-Millionen-Marke gehoben. So bleibt das Festgeldkonto prall gefüllt.

Doch Bulle Hoeneß ist noch nicht zufrieden. Als nächstes will er den russischen Markt erobern, Millionen zu beglückende Kühe zwischen Moskau und Wladiwostok warten schon. Dass Namensvetter Uli seine Fühler in dieselbe Richtung ausstreckt und mit Gazprom verhandelt, geht dabei im Medienrummel fast unter.

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