Horst Heldt : "Du glaubst an den Erfolg"

Der VfB Stuttgart spielt heute gegen Hertha BSC. VfB-Manager Horst Heldt spricht mit dem Tagesspiegel über Marko Pantelic und Andrej Woronin und über die Außenseiterrolle und das Hochgefühl bei Hertha BSC.

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Foto: dpa

Herr Heldt, der VfB Stuttgart ist 2007 als Außenseiter Meister geworden. Können Sie erklären, was damals passiert ist?



Mit der Außenseiterrolle lässt es sich bestens leben. Das ist gerade in Wolfsburg bei Felix Magath gut zu beobachten. Nach außen redet er seine Mannschaft schlecht, intern wählt er eine andere Tonart. Man lebt in dieser Zeit in zwei Welten. Bei Hertha ist das sicher auch der Fall.

Wie läuft das konkret ab?

Irgendwann glaubst du an den Erfolg. Es geht damit los, dass plötzlich nicht mehr rumgejammert wird, weil man nicht spielt oder den Freistoß nicht schießen darf. Verletzungen kommen nicht so häufig vor. Das alles wird von diesem Hochgefühl beeinflusst. Dieser Prozess findet bei Hertha auch schon statt.

Das sieht man bei Marko Pantelic.

Genau. Er mag sauer sein, dass er nicht spielt, aber er kann den Erfolg der Gemeinschaft nicht gefährden. Andrej Woronin trifft derzeit aus dem Nichts, die Mannschaft eilt von Sieg zu Sieg. Keine Chance, da mit Unzufriedenheit anzukommen.

Welche Faktoren kommen noch dazu?

Du nimmst verstärkt wahr, was über dich berichtet wird: dass andere Klubs dich nicht für voll nehmen. Mit Kommentaren von außen lassen sich intern gut Reize setzen. Du vermittelst der Mannschaft, dass du sehr wohl an sie glaubst. Es geht darum, die Spieler bei der Ehre zu packen.

2007 haben Sie also Artikel mit Bayern- Sprüchen in die Kabine geklebt?

Alles, was kam, haben wir eingesetzt. Wir haben Videoszenen von Aussagen gezeigt, unmittelbar vor dem Spiel oder am Abend zuvor im Trainingslager.

Welche Sprüche motivieren am meisten?

Wenn unsere Gegner gesagt haben: Die holen wir noch ein, die werden einbrechen. Für uns war es enorm wichtig, nicht ganz ernst genommen zu werden.

Die Verfolger sollten sich also davor hüten, Hertha öffentlich die Klasse abzusprechen?

Aus unserer Erfahrung: ja. Das hat unsere Motivation erhöht und das Bild des Außenseiters gestärkt, der ohne Druck spielen kann, weil er nichts zu verlieren hat.

Wie bewahrt man die Mannschaft vor zu großem Druck?

Wir sind damals aus der Versenkung gekommen und waren erst kurz vor Schluss richtig dabei. Hertha und Wolfsburg müssen schon jetzt mit Druck umgehen. Egal wie die Lage ist, man darf nie an den Punkt kommen, an dem eine Mannschaft Angst bekommt, etwas zu verlieren. Bei uns war das erst am letzten Spieltag der Fall.

Die Fragen stellte Oliver Trust.


ZUR PERSON

Horst Heldt, 39, hat seine Karriere als Fußballer beim VfB Stuttgart beendet. Seit drei Jahren ist er Sportdirektor des Klubs, der 2007 überraschend Deutscher Meister wurde.

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