Sport : Houston, wir haben ein Problem

Der vermögende Texaner Jim McIngvale steckte Millionen in den Masters Cup – doch nicht nur die Tennisspieler sind enttäuscht

Stefan Liwocha

Houston. Jim McIngvale lässt sich gerne feiern. Als Retter des Tennis in den USA. Als Mann mit Visionen und Millionen. Während des ATP Masters Cup in Houston fällt dauernd sein Name. Auch George Bush überhäufte den Promoter der inoffiziellen Tennis-Weltmeisterschaft mit Lob. „Wir müssen ihm unendlich dankbar sein“, sagte der Altpräsident während einer Ehrung für den Weltranglistenersten Andy Roddick. „Er hat aus Houston ein Mekka des Tennis gemacht. Wir müssen uns vor keinem Ort auf der Welt mehr verstecken.“ Nun muss man wissen, dass das ehemalige Staatsoberhaupt ein Tennis-Fan ist, den eine enge Freundschaft mit McIngvale verbindet. Wenn Bush in der ersten Reihe des Centre Courts mit seiner Frau Barbara Platz nimmt, dann sitzen Jim und Linda McIngvale neben dem prominenten Paar.

Bevor das Turnier der acht weltbesten Tennisspieler begann, hatte Roger Federer sein Leid geklagt. Auf dem Platz würde es „ein klein wenig den Berg runtergehen“, meinte der Wimbledonsieger, der Boden sei auch nicht eben. Darüber hinaus sei das Stadion viel zu klein. Nur 7500 Zuschauer gehen in die eilends errichtete Freiluft-Arena, die sich McIngvale zehn Millionen Dollar kosten ließ. Kein Vergleich also zu den vorherigen Masters-Cup Schauplätzen in Schanghai, Sydney und Lissabon. Obwohl auch andere Spieler wie Rainer Schüttler diesem Urteil zustimmten, richtete sich der ganze Zorn des Veranstalters gegen den Schweizer Federer. McIngvale muss dem Weltklassespieler derart die Meinung gegeigt haben, dass dieser beinahe nicht zu seinem ersten Gruppenmatch gegen Andre Agassi angetreten wäre.

Der Texaner ist nervös. Insgesamt soll McIngvale 27 Millionen Dollar investiert haben, damit 2003 und 2004 Weltklasse-Tennis in Houston gastiert. Was der Mann anpackt, macht er schließlich richtig. Er half dem strauchelnden WTA-Turnier vor Ort auf die Beine, kaufte anschließend gleich den ganzen Westside Tennis Club, um dort die Böden der vier großen Turniere von Melbourne (Rebound Ace), Paris (roter Sand), Wimbledon (Gras) und New York (Hartplatz) zu verlegen. Die Tennis-Welt war damit rein technisch in Houston vereint – es fehlten nur noch die großen Namen. Seit Montag schlugen sie nun in der Raumfahrt-Metropole auf – die Herren Agassi, Federer, Nalbandian und Ferrero (Blaue Gruppe) sowie Roddick, Schüttler, Coria und Moya (Rote Gruppe). Das Stadion war während der Gruppenspiele nicht ausverkauft. In der Stadt suchte man vergeblich nach großen Masters-Cup-Werbeflächen. Ein paar Kleinlastwagen mit den Gesichtern der amerikanischen Stars rollen durch die Straßen. Mehr nicht.

Die Fahrzeuge gehören zum Fuhrpark des Geschäftsmannes McIngvale, der als Discount-Möbelhändler Millionen gescheffelt hat. „Mattress Mac“ (Matratzen-Mac) nennen sie den Mann, der durch witzige TV-Spots zum Haushaltsnamen aufstieg. Vom Tennis versteht er wenig, er mag aber den Sport und die Spieler. Vor allem natürlich die US-Boys, die er in der ersten Reihe lautstark unterstützt. Beim dramatischen Duell zwischen Agassi und Nalbandian übertrieb der Promoter allerdings die Parteinahme, so dass ihn der Argentinier nach einem Winner-Schlag im dritten Satz anpflaumte: „Klatsche jetzt auch einmal für mich.“ Später kritisierte Nalbandian den Promoter wegen „fehlenden Respekts gegenüber den ausländischen Spielern“, zudem wiesen ihn die Turnier-Offiziellen in die Schranken. „Sie sagten: ,Du hast viel Gutes fürs Tennis getan, zerstöre es jetzt nicht, indem du die anderen Spieler gegen dich aufbringst’,“ erzählte McIngvale, um aber gleich anzufügen: „Agassis Halbfinalteilnahme ist mindestens eine Million Dollar wert.“ So denkt er eben, der Geschäftsmann. Aber in seinem Innern ist der Texaner enttäuscht darüber, dass nur wenige amerikanische Journalisten anreisten. Insider munkeln, der Masters Cup werde 2004 nicht mehr in Houston stattfinden.

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