Sport : Hrubesch kann gucken (Glosse)

Helmut Schümann

Von Horst Hrubesch immerhin ist bekannt, dass er sehenden Auges durchs Leben schreitet. Vor Jahren befragt, warum er beim Kopfball immer die Augen so weit aufreiße, hatte der einstige Mittelstürmer mit dem Kampfnamen "Kopfball-Ungeheuer" geantwortet: "Watte nich siehst, kannze nich reinmachen." Das befähigt ihn zu einer gehobenen Position in der Nationalmannschaft. Da haben die Chefs zuletzt nicht mehr viel gesehen, am wenigsten klar.

Schon allein deswegen ist Erich Ribbecks Beschluss, den geschassten Fußball-Fachmann Uli Stielike durch Horst Hrubesch zu ersetzen, ein guter Beschluss. Hrubesch bringt alle Voraussetzungen mit, die es braucht, um mit Ribbeck durchs Fußball-Frühjahr zu gehen (bis zum Fußball-Sommer sollte sich die Sache dann erledigt haben). Hrubesch also kann gucken. Des Weiteren ist er als Angler ein geduldiger Mensch. Geduld ist geboten, um Ribbecks taktische Ergüsse zu ertragen.

Auch tut Hrubesch stets wie befohlen. Einst unter Ernst Happel hat er diesen Gehorsam erlernt. Happel hatte den, nun ja, Instinktfußballer zum Hamburger SV geholt und dann festgestellt, dass er doch auch ein paar fußballerische Defizite hatte. Er hat ihn dann Kopfball üben lassen, unter anderem mit einem Medizinball, und zwar "bis er dicke Beulen an der Birne hatte", wie der damalige HSV-Manager Günter Netzer zu berichten weiß. Es war, wie man heute weiß, zum Segen des deutschen Fußballs.

Und wenn es angeordnet wird, dann ist Hrubesch auch durchsetzungsfähig. Hat er auch bei Happel gelernt und an Franz Beckenbauer ausprobiert. Der war seinerzeit auch beim HSV, als Libero mit der Erlaubnis zu gelegentlichen Ausflügen in Gegners Strafraum. Bei Eckbällen nun war Hrubesch gehalten, mit Wucht und Anlauf aufs Tor zu köpfen. Und es kam dann der Tag, als Hrubesch mit Wucht und Anlauf in den Strafraum sprang. Sein eleganter Libero allerdings war auch schon da und hatte plötzlich Hrubesch im Kreuz. Beckenbauer musste dann mit schwerer Nierenprellung ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Außerdem kennt Hrubesch Spieler. Zum Beispiel den Wolfsburger Zoltan Sebescen, den sein neuer Chef nach ein paar guten Bundesliga-Minuten in die Nationalmannschaft berufen hatte. Zum Beweis seiner tollen Innovationskraft. Warum noch, wusste er nicht. Als nämlich Sebescen eintraf, so berichten altgediente Nationalspieler, musste er Ribbeck erst mal die Frage beantworten, auf welcher Position er denn so spiele. Solche Fragen muss Ribbeck nun nicht mehr stellen. Fragt er einfach Hrubesch. Es geht also klar aufwärts.

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