HSV - Bayern : Den Zauber genommen

Der Hamburger SV zeigt mit einfachen Mitteln auf, wie der FC Bayern München besiegt werden kann.

Karsten Doneck[Hamburg]
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Grüner wird’s nicht. Nicht nur Bayern Münchens Abwehrspieler Lucio geriet in Hamburg an den Rand der Verzweiflung. Foto: dpa

Erst wenige Minuten waren gespielt. Da lag Guy Demel nahe der Außenlinie der Ball vor den Füßen. Mit einer Armlänge Abstand beobachtete Bayern Münchens Star Franck Ribéry aufmerksam, was wohl als nächstes passieren würde. Und? Nichts passierte. Außer dass Demel, der Verteidiger des Hamburger SV, sekundenlang mit zahlreichen Verrenkungen um den Ball herumtänzelte, ohne ihn auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Es hätte nur noch gefehlt, Demel hätte seinem Gegenspieler zugerufen: „Schau her, Ribéry! Was du kannst, das können wir schon lange.“

Beim 1:0-Sieg des HSV am Freitagabend wurde nicht nur Ribéry, sondern der ganze FC Bayern entzaubert. Und dass nicht allein durch Hokuspokus, wie ihn Demel anfangs vorführte. Da hatten die Bayern zwar drei Tage zuvor bei ihrem 5:1-Sieg im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart eine rauschende Fußball-Gala geboten, doch in Hamburg war davon kaum etwas zu sehen. „Die erste halbe Stunde haben wir regelrecht verpennt“, sagte Bayerns Trainer Jürgen Klinsmann.

Solche Sicht darf indes die Leistung des HSV nicht schmälern. Der hatte sich gegen die Bayern – auch ohne den gesperrten Torjäger Ivica Olic – auf Wesentliches konzentriert. Über allem stand das Prinzip, was jeder Polit-Demonstration auf der Straße vorangestellt wird: Gemeinsam sind wir stark. „Wir sind als Mannschaft einfach kompakt, bei uns herrscht ein super Teamgeist“, rühmte HSV-Nationalspieler Piotr Trochowski.

Zunächst ging es darum, Bayerns starke linke Seite mit Ribéry und Philipp Lahm zu bändigen. Demel, Jarolim und Trochowski erledigten diese Aufgabe arbeitsteilig. „Für Ribéry hat der HSV immer zwei, drei Mann abgestellt“, sagte Bayerns Aufsichtsratschef Franz Beckenbauer über den Mangel an Entfaltungsmöglichkeiten für Bayerns Ausnahmefußballer. Auch gegen den Gästeangriff mit Luca Toni und Miroslav Klose strickte der HSV ein dichtes Abwehrnetz, einer sprang für den anderen ein, hart und kompromisslos.

Dass sich die HSV-Stürmer Mladen Petric und Paolo Gurrero ständig ins Mittelfeld zurückzogen oder über die Außen kamen, irritierte die Münchner zusätzlich. „Das war ein Problem für uns, damit sind wir nicht klargekommen. Immer war einer von Beiden frei“, ärgerte sich Bayerns Abwehrmann Mark van Bommel.

Trotzdem benötigte der HSV auch Glück, um zu siegen. „Der Ball wollte einfach nicht rein“, klagte Klinsmann über die vielen vertane Chancen nach der Pause. Und: „Wir haben zwei Tore erzielt, beide haben nicht gezählt.“ Zumindest das Tor von Toni nach einem Laufduell gegen Bastian Reinhardt war einwandfrei. Schiedsrichterassistent Robert Kempter (Sauldorf) hatte aber früh die Fahne gehoben: Toni soll seinen Widersacher weggedrückt haben. Fernsehbilder bestätigten das nicht. Beim zweiten angeblichen Tor von Miroslav Klose wird wohl ewig strittig bleiben, ob der Ball nun auf oder in vollem Umfang hinter der Linie abgewehrt wurde.

Dem HSV brachte der Sieg indes nicht nur Freude. Bastian Reinhardt zog sich einen Mittelfußbruch zu, fällt damit drei Monate aus. Allerdings wurden die Hamburger auch auf dem Transfermarkt aktiv. Der venezuelanische Nationalspieler Tomas Rincon (21) wurde für 300 000 Euro für ein Jahr von Deportivo Tachira ausgeliehen, kurz bevor steht die Verpflichtung des Franzosen Mickael Tavares von Slavia Prag. Der Sieg gegen die Bayern warf zwangsläufig die Frage auf, ob denn der HSV auch Meister werden könne. Da aber reagierten die HSV-Profis defensiv. Towart Frank Rost: „Was der Sieg gegen die Bayern wert war, zeigt sich am nächsten Wochenende.“ Da tritt der HSV dann beim Karlsruher SC an.

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