HSV-Bremen : Vorhang auf zum ersten Akt

Am Mittwoch treffen die Rivalen Hamburger SV und Werder Bremen im DFB-Pokal aufeinander. Danach folgen innerhalb von nur kurzer Zeit drei weitere Duelle beider Mannschaften.

Frank Hellmann[Bremen]
Diego
Freudige Spielkunst. Diego wird am Mittwoch für Werder spielen.Foto: dpa

Es geht um viel mehr als um Punkte und Tore. Zumindest für HSV- und Werder-Fans, die sich bekanntlich seit Jahrzehnten nicht grün sind. Jetzt können sie ihre Rivalität besonders intensiv ausleben. Denn Werder und der HSV treffen innerhalb von 19 Tagen gleich vier Mal aufeinander; das erste Mal heute in Hamburg im DFB-Pokal-Halbfinale (20.30 Uhr/live im ZDF). „Diese Partien werfen einige Probleme auf“, sagt Werders Fanbeauftragter Dieter Zeiffer. „Hamburger und Bremer werden nicht Hand in Hand ein Bier trinken gehen.“

Das gespannte Verhältnis der Fans zueinander ist geprägt durch den Tod des 16-jährigen Bremer Fans Adrian Maleika (siehe nebenstehenden Text). Die Rivalität wird nun auf besondere Weise ausgetragen. Legendär waren Choreografien, wie als vor einigen Jahren Werder-Ultras in Anlehnung ans Bremer Stadtwappen eine Banderole mit der Aufschrift enthüllten: „Ihr seid das Tor zu Welt – aber wir haben den Schlüssel.“ Worauf die Hamburger beim Rückspiel, das Hamburg 1:0 gewann, texteten: „Für ein Tor brauchen wir keinen Schlüssel.“

Nun ist wieder Einfallsreichtum gefragt. „Es kann in jedem Spiel alles passieren. Es geht um etwas Großes“, sagt Werders Sportchef Klaus Allofs, der vier Begegnungen erwartet, „die voller Emotionen, aber hoffentlich friedlich“ ablaufen. An Emotionen wird’s nicht mangeln. Zumindest in den bisherigen Pokalspielen hat Bremen höchsten Einsatz und größtes Engagement gezeigt. Auch im Uefa-Cup überzeugte die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf mit Siegen.

Fast logisch, dass Spielmacher Diego, der noch am Sonntag wegen Muskelproblemen gegen Hertha BSC zugesehen hatte, wieder mitspielen wird. Aber auch Mesut Özil und Sebastian Boenisch, die zuletzt gefehlt hatten, wollen spielen. Werder mobilisiert alle Kräfte – denn nur über den Pokal können die Bremer noch in die neue Europa League kommen. Dort müssen die Bremer spielen, wenn sie überhaupt noch eine kleine Chance haben wollen, ihre beiden besten Spieler an den Verein zu binden. Sonst werden Diego und Claudio Pizarro Werder wohl verlassen. Und auch die Perspektiven der Werder Bremen GmbH & Co. KGaA hängen von der Teilnahme am internationalen Wettbewerb ab. Ein Umsatz von 112,4 Millionen Euro wie zuletzt ist ohne Einnahmen aus dem Uefa-Cup nicht zu stemmen.

Ob Sprüche wie die von Torhüter Tim Wiese („Ich glaube, dass in Hamburg die Angst umgeht. Wenn die im DFB-Pokal gegen uns einen auf den Sack kriegen, zittern die auch in den anderen Spielen gegen uns!“) da helfen? Die HSV-Profis würden, so der Nationaltorwart, ja immer die wichtigen Spiele gegen Werder verlieren. „Das haben die Hamburger im Hinterkopf.“

Da spielt wohl viel Wunschdenken mit. Denn insgesamt hat der Hamburger SV derzeit mehr Erfolg als Werder Bremen. Da muss man nur an die Bundesliga denken. Der Hamburger SV kämpft um die Tabellenspitze, Bremen liegt dagegen klar zurück und hat zuletzt gegen Hertha BSC eine bittere 1:2-Niederlage hinnehmen müssen. Möglicherweise steht sogar eine generelle Wachablösung an. Denn Werder war in den vergangenen 20 Jahren insgesamt fast immer erfolgreicher als der Hamburger SV. Doch wenn der HSV nun alle vier Duelle gewinnen sollte, hätte er klar gemacht, dass er die neue Nummer eins im Norden ist.

Wohl auch deshalb hatte Werder-Verteidiger Clemens Fritz den netten Vorschlag gemacht, die Hamburger könnten doch bitteschön am 10. Mai im Bundesliga-Duell gewinnen und durchaus sogar Deutscher Meister werden, wenn dafür Werder Bremen im DFB-Pokal und im Uefa-Cup weiterkommt. „Zur Not“, sagt auch Werders Sportdirektor Klaus Allofs, „kann ich mit dieser Konstellation leben.“ Zur Not ist nett gesagt. Ohne Pokal- und Uefa-Cup-Erfolge kann Werder erst mal einpacken.

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