HSV : Der Sechs-Millionen-Euro-Mann

Nach langem Gezerre ringt sich der HSV zur Verpflichtung des Niederländers Martin Jol als Trainer durch.

Frank Heike[Hamburg]
Martin Jol
Martin Jol, holländischer Trainer. -Foto: dpa

HamburgNach 177 Tagen Trainersuche stand Bernd Hoffmann am Dienstagabend um 22.39 Uhr vor den Kameras. Er sagte in bester Laune: „Wir freuen uns, dass der Aufsichtsrat unserem Konzept mit Martin Jol an der Spitze zugestimmt hat. Der neue Trainer wird nächste Woche vorgestellt. Wir freuen uns auf diesen Toptrainer.“ Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer sah schon etwas angespannter aus als der meist fröhliche Vorstandsvorsitzende. Beiersdorfer sagte: „Es ist gut, den Aufsichtsrat im Rücken zu haben. Wir haben jetzt einen sehr guten Trainer. Eine überzeugende Lösung. Da konnten die Räte auch gut für ihn stimmen.“

Beiersdorfer rief Jol noch am Abend an und benachrichtigte ihn von der Abstimmung der Kontrolleure, die positiv für ihn ausgegangen war. Jol weilt derzeit in Spanien im Urlaub. „Martin Jol freut sich auf die neue Aufgabe“, sagte Beiersdorfer. „Das Gefühl hatte ich auch bei den Gesprächen.“ Warum es so lange gedauert hatte, sich auf einen Kandidaten zu einigen, wollten weder Hoffmann noch Beiersdorfer sagen. Im Vereinsumfeld des HSV betrachtet man Jol nicht als erste, aber als gute Wahl. Der 52 Jahre alte Niederländer erhält einen Vertrag bis 2010. Er wird zusammen mit Zeljko Petrovic als Assistenten und seinem Bruder Cornelius nach Hamburg kommen. Etwa sechs Millionen Euro soll dieser Trainerstab in zwei Jahren verdienen. Jol, der zwei Millionen Euro pro Jahr erhalten soll, ist damit bestbezahlter Trainer der HSV-Geschichte.

Der lange Abend der Entscheidung begann um kurz vor 18 Uhr, als sich die zwölf Kontrolleure im Fan-Restaurant „Raute“ trafen. Dann wurde zwei Stunden diskutiert. Unter Leitung des Vorsitzenden Horst Becker stimmten sich die Räte ab. Becker ist ein ruhiger, uneitler Mann des Ausgleichs, eine Idealbesetzung für den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden. Doch die Diskussion wurde trotzdem kontrovers. Um 20 Uhr kamen die vier Vorstände hinzu und wurden von den Räten zweieinhalb Stunden in die Mangel genommen. Hauptthema: Warum hat die Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Huub Stevens so lange gedauert? „Natürlich wurden viele Fragen gestellt“, sagte Becker später, „aber das ist auch gut so.“

Um 22.35 Uhr dann war die Trainersuche des HSV schließlich auch offiziell beendet. Die Kontrolleure hatten mit 11:1-Stimmen für den Vorschlag des Vorstandes gestimmt. Die Papiere hatten ihnen seit Sonntag vorgelegen, und seither war auch klar gewesen, dass es kein gesammeltes „Nein“ der Räte geben würde.

Hoffmann und Becker traten hernach vor die Kameras. „Das Thema ist jetzt endgültig erledigt und wir können uns auf unser Endspiel gegen Karlsruhe konzentrieren“, sagte Hoffmann. Am Samstag will der HSV wenigstens den Uefa-Pokal erreichen, Jol wird nicht im Stadion sein.

Für welche Philosophie der neue Trainer steht, wissen derzeit wohl nur die HSV-Vorstände. Martin Jol war zuletzt arbeitslos, davor Trainer bei Tottenham Hotspur. Er führte die Londoner zweimal in den Uefa-Pokal. 1996 folgte Jol übrigens Huub Stevens bei Roda Kerkrade nach, als Stevens zum FC Schalke ging. Er schätze Disziplin, heißt es, schule die Profis vor allem am Ball, habe verschiedene Systeme auf Lager und sei im Umgang mit den Medien geschmeidiger als Huub Stevens. Als humorvoller Mensch und professioneller Trainer wird der Jol in seiner Heimat beschrieben. Ausgesprochen beliebt soll der frühere Spieler des FC Bayern München dort sein. In der ganzen Zeit der Trainersuche hat sich Jol jedenfalls vornehm zurückgehalten, kein einziges Zitat von ihm und seinen Ambitionen beim HSV ist bislang überliefert. Wohl aber ein allgemeines: „Ich habe großes Selbstvertrauen. Es ist noch nicht vorgekommen, dass mir das, was ich wollte, nicht gelungen ist.“ Das dürfte die Verantwortlichen des HSV freuen.

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