HSV-Friedhof : "Von Fangesängen rate ich ab"

Der HSV hat jetzt einen Friefhof in Stadionnähe. Er hat rund 500 Plätze und ist einmalig in Europa. Ein Gespräch mit Bestatter Amm.

Herr Amm, Sie bieten auf dem HSV-Friedhof den Abschied im Zeichen der Raute an. Wie läuft denn Ihre Bestattung „Schlusspfiff“ ab?

Es gibt mehrere Kategorien. Das fängt an mit der Bestattung in der einfachen HSV-Urne und geht hoch bis zu einem Gesamtarrangement mit Fahrdienst. Ansonsten läuft die Beerdigung aber ganz normal ab, also je nach Konfession des Verstorbenen oder mit einer weltlichen Trauerfeier.

HSV-Urne? Gibt es etwa auch den HSV-Sarg?

Aber sicher. Der ist wie die Urne ganz in HSV-Blau mit Raute. Wir haben aber auch nur die „kleine Raute“: Die wird mit Spezialkleber am Fußende herkömmlicher Särge befestigt.

Können die verstorbenen Fans auch in ihrer Trauerfeier die Verbundenheit zum Klub zeigen?

Ja, es gibt die Möglichkeit, die HSV-Hymne zu spielen oder ein anderes Hamburg-Lied. Außerdem stellen wir ein Hintergrunddisplay mit Fotos vom Stadioninnenraum auf, wenn das gewünscht wird. In der Trauerhalle können wir auch mit Beamer arbeiten. Da kann man bestimmte Spiele noch mal im Hintergrund laufen zu lassen. Etwa den Europapokalsieg des HSV von 1983.

Aber Fangesänge werden nicht erschallen?

Nein, es gibt Dinge, die man aus Pietätsgründen besser unterlassen sollte. Ich würde davon ganz dringend abraten.

Muss man eigentlich Hamburger sein, um auf dem HSV-Friedhof beerdigt zu werden?

Nein, wir haben zehn Partner in ganz Deutschland. Die erledigen dann alle Formalitäten vor Ort, und dann werden der Sarg oder die Urne nach Hamburg überführt und hier beigesetzt.

Der Friedhof ist nicht weit vom Stadion entfernt, an Spieltagen hört man die Fans im Stadion. Kann so ein Platz überhaupt eine Ruhestätte sein?

Ich glaube, es ist in jedem Fall eine Ruhestätte. Ein Friedhof ist ja eine soziale Gemeinschaft. Und Fußballfans sind ja auch nichts anderes als eine solche Gemeinschaft. Warum sollte man dann nicht auch eine gemeinsame Ruhestätte nahe am Stadion wählen? Außerdem sind die Flugzeuge, die über den Friedhof fliegen, viel lauter.

Sie sind selbst seit vielen Jahren HSV-Fan. Haben Sie sich schon Ihre Grabstelle reserviert?

Ich wohne in Kiel. Die räumliche Nähe zum Friedhof wäre also gegeben. Aber konkrete Gedanken habe ich mir noch nicht gemacht, ich bin ja erst 47. Es ist bei Bestattern sowieso selten der Fall, dass sie sich Gedanken über die eigene Bestattung machen.

Das Gespräch führte Martin Gropp.

Thomas Amm, 47, bestattet jetzt Fans des HSV in Stadionnähe. Der HSV-Friedhof hat etwa 500 Plätze und ist einmalig in Europa. Die Urne mit Raute kostet 370 Euro, der Sarg 2350 Euro.

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