Sport : HSV: Hamburg entlässt Pagelsdorf

Klaus Rocca

Über Norddeutschland hat sich ein stürmisches Tief zusammengebraut. Mit dem Hamburger SV, Werder Bremen, Hansa Rostock, dem VfL Wolfsburg und dem FC St. Pauli stecken alle fünf Bundesliga-Klubs im Tabellenkeller fest. Von dem erfolglosen Trainer-Quintett wurde Trainer Frank Pagelsdorf am Montagabend beurlaubt. Es war die 259. Trainer-Entlassung in der Fußball-Bundesliga. "Dem Vorstand ist der Schritt menschlich sehr schwer gefallen, denn wir hatten ein gutes Verhältnis. Nach intensiven Beratungen der Lage hat sich der Vorstand jedoch zu dieser Entscheidung veranlasst gesehen", erklärte der HSV-Vorstandsvorsitzende Werner Hackmann nach Pagelsdorfs Beurlaubung.

Über 50 Zugänge holte Pagelsdorf seit seinem Amtsantritt bem HSV am 1. Juli 1997. Der Neuaufbau ist ihm jedoch misslungen. Das lag zum einen an Abgängen von Leistungsträgern wie Hasan Salihamidzic (Bayern München), Sven Kmetsch (Schalke 04), Thomas Gravesen (FC Everton), Jörg Butt (Bayer Leverkusen) und Niko Kovac (München), zum anderen aber auch an einer zuletzt verfehlten Personalpolitik. So konnten die jeweiligen Rekordeinkäufe Milan Fukal, Marcel Ketelaer und Jörg Albertz noch nicht überzeugen.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Pagelsdorf hatte noch einen Vertrag bis 2004 und soll rund 4,1 Millionen Mark Abfindung kassieren. Der ehemalige Profi ist in der laufenden Saison der erste Coach, der vorzeitig seinen Hut nehmen musste. Über mögliche Nachfolger wird schon öffentlich spekuliert. An der Spitze des medialen Trainer-Barometers steht Manchesters Kevin Keegan, gefolgt vom Grazer Ivica Osim, dem Baseler Christian Gross sowie dem DFB-Trainer und ehemaligen HSVer Horst Hrubesch. "Ich habe nicht mit dem HSV gesprochen. Das ist Blödsinn", dementierte der Bosnier Osim entsprechende Berichte. Doch für Leopold Breisach, Pressesprecher von Sturm Graz, wäre das HSV-Interesse an dem 60-Jährigen nur zu logisch: "Er ist einer der besten Trainer, die es gibt." Osim, der von 1986 bis 1992 Nationaltrainer in Jugoslawien war, sitzt seit 1994 in Graz auf der Bank, wurde zweimal Meister und hat noch einen Dreijahresvertrag.

"Ich habe keinen Auftrag, einen neuen Trainer zu suchen. Der HSV hat keine Trainerdiskussion angezettelt", hatte am Dienstagvormittag HSV-Sportdirektor Holger Hieronymus gesagt, der nach dem Paukenschlag am Abend vorerst für die Geschicke der Mannschaft verantwortlich ist. "Wir lassen uns von der Diskussion um den HSV-Trainer nicht beeinflussen."

"Beim SV Werder gibt es kein Trainer-Problem", beugte Bremens Sportdirektor Klaus Allofs bereits vor. Das traditionsreiche Nord-Derby zwischen dem Tabellenzwölften HSV und dem Vierzehnten Werder am kommenden Samstag in der AOL-Arena könnte für noch mehr dunkle Wolken über Elbe und Weser sorgen. Leise Kritik an Trainer Thomas Schaaf ist bereits laut geworden.

Ausgerechnet Dietmar Demuth, der Coach des Tabellenletzten St. Pauli, muss sich die geringsten Sorgen machen. "Er kann von mir aus die restlichen Spiele verlieren", verteilte Präsident Reenald Koch bereits einen Freibrief. Der Aufsteiger scheint sich schon mit seinem Schicksal abgefunden zu haben.

Beim Tabellenvorletzten Wolfsburg wurde nach einer Krisensitzung der Geschäftsführung um Manager Peter Pander mit dem Aufsichtsrat dem Coach Wolfgang Wolf demonstrativ der Rücken gestärkt. Auch in Rostock (Tabellenfünfzehnter) ist vorerst noch Ruhe angesagt.

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