Sport : HSV - Hertha BSC: Einkehr eines Ausgeschlossenen

Klaus Rocca

Dem Mannschaftsbus schaute er meist wehmütig hinterher. Seinen Teamkameraden hatte er nach dem Abschlusstraining noch viel Glück gewünscht. Dann fuhr der Bus davon. Zurück blieb ein deprimierter Rob Maas. Ein Außenstehender, ein Ausgeschlossener. "Das war für mich die schlimmste Zeit. Notfalls wäre ich auch ins Tor gegangen, nur um dabei zu sein", sagte er heute.

Heute, das bedeutet für Maas das Ende der Leidenszeit. Als die Mannschaft gestern nach dem Training den Bus bestieg, war Maas dabei. Dass er im Kader ist, war für ihn schon wie eine nachweihnachtliche Bescherung. Sie könnte noch viel reichhaltiger ausfallen. Jürgen Röber, sein Trainer, hat nämlich angedeutet, dass Maas heute beim Spiel der Fußball-Bundesliga in Hamburg gegen den HSV sogar auflaufen wird, als Libero. Gewiss, vor allem als Nutznießer der Ausfälle von Rehmer, van Burik (zudem gesperrt) und Schmidt, aber immerhin.

Noch vor Monaten hat es sich Rob Maas nicht träumen lassen, noch einmal dazuzugehören. Sein Arbeitgeber, bei dem er noch bis zum Ende der nächsten Saison unter Vertrag ist, hatte ihm unmissverständlich nahe gelegt, sich nach einem anderen Verein umzusehen. "Was soll ich mit einem Mann, der dauernd verletzt ist, den Anschluss nicht findet und beim Sprinten sogar langsamer ist als ich", hatte Röber erklärt. Wer konnte es ihm verdenken, dass er Maas nicht mehr in seiner Kalkulation hatte. Mochte der, ablösefrei von Arminia Bielefeld gekommen, auch noch so ein Schnäppchen gewesen sein.

Maas ("Ich wollte spielen, was auch immer es kostete") nahm Kontakte zu Klubs auf der Insel auf. Bei Bolton Wanderers schien er fündig zu werden. Mit den Wanderers bezog er ein Trainingslager in Dänemark, hinterließ einen guten Eindruck. Bis ihm ein neues Missgeschick widerfuhr. Bänderriss im Sprunggelenk - vorbei war der Traum vom Spielen. Rob Maas befand sich auf dem Abstellgleis.

Wie so oft. Zuvor war immer wieder die Achillessehne gerissen, mal die des rechten, mal die des linken Beines. Operationen, Rehabilitation, Warten. Maas war fast mehr beim Spezialisten in Basel als auf dem Trainingsplatz. Zwischendurch begab er sich in die Behandlung eines chinesischen Akupunkteurs. Tiefs gab es immer wieder. Da hätte mancher resigniert. Nicht so Maas.

Der wollte es auch nach dem misslungenen Abstecher nach England noch einmal wissen. Dass er es bei Röber noch schwerer als vorher haben würde, war ihm klar. "Er scheint irgendwas gegen mich zu haben", mutmaßte der Niederländer wiederholt. Röber hatte nichts gegen ihn, auch wenn ihm sein Redefluss nicht gefiel. Aber er konnte eben mit Maas auch nichts anfangen.

Irgendwann, im Dezember, änderte sich das. Da spürte der Coach, dass da einer keineswegs gewillt war, das Grundgehalt ruhigen Gewissens nach Hause zu tragen und ansonsten Hertha Hertha sein zu lassen. Röber: "Da spürte ich, dass Rob auch körperlich immer fitter wurde." Plötzlich war der 31-Jährige mit dem kräftigen Haarschopf bissig, spritzig und selbstbewusst. Und auch an seinen Sprints hatte Röber nichts mehr auszusetzen.

Maas witterte seine Chance: "Die Karten wurden neu gemischt." Im Trainingslager, in Andalusien, hängte er sich wieder mächtig rein, wohl wissend, dass gerade von Röber ansprechende Trainingsleistungen honoriert werden. Doch es bedurfte erst der Fürsprache seines Landsmannes und Mannschaftsrat-Mitgliedes Dick van Burik. Der ließ, auch im Gespräch mit Kapitän Michael Preetz, sein Erstaunen über die Nicht-Berücksichtigung von Maas erkennen. Vielleicht hatte Röber schon vorher erkannt, dass er wieder mit Maas rechnen konnte. Jedenfalls bekam Maas bei den Testspielen die Möglichkeit, in der Vierer-Abwehrkette zu glänzen. Und heimste prompt Lob vom Trainer ein. Er sei, meinte Röber, nicht nur körperlich gut drauf, sondern habe sich auch taktisch sehr gut verhalten und mit seinen Nebenleuten "viel geredet".

Heute also könnte Maas, immerhin seit 1998 unter Vertrag, sein siebentes Bundesligaspiel für Hertha bestreiten. Es wäre sein erstes in dieser Saison, gleich als Chef der Abwehr. "Vielleicht packe ich es doch noch", hofft er. Wer so viel Pech hatte, könnte ja auch mal von Fortuna begünstigt werden.

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