Sport : HSV II – 1. FC Union

17. März, AOL–Arena, Zuschauer: 1500 Gästefans: 1300. Ergebnis: 0:0.

Lothar Heinke

Elf Freunde? Von wegen! Mindestens 1500 sind es, die da an diesem Samstag an die Waterkant gekommen sind, um ihren Jungs den Rücken zu stärken. Aber das merken wir erst viel später. Zunächst sitzen wir zwei, Vater und Sohn, gesittet in einem ICE und denken über den Bildungsauftrag eines Auswärtsspiels nach: Lange nicht in Hamburg gewesen. Gibt dort schöne Museen. Leichte Brisen, leichte Mädchen. Viel Hafen. Neue Speicherstadt. Also: Volles Rahmenprogramm zur Hauptsache, HSV II gegen Union. In der S-Bahn heimatliches Flair in Rot-Weiß: „Ick gloobe, det wird heute wieda ma nischt.“ Der Unioner ist Kummer gewöhnt, aber er trägt ihn mit Fassung. Fährt sogar bis nach Düsseldorf oder Emden und lässt noch immer eisern die Sau raus und auf seine Jungs nichts kommen. Doch nun stehen wir vor der AOL-Arena. Sieht von außen aus wie ein Raumschiff und von innen cool wie das Gegenteil der Alten Försterei. Wir gehen in dies für 55 000 Menschen gebaute Stadion, in dem sich vielleicht 200 HSVer zwischen den Traversen verlieren. Nur hinten links, in dieser einen zugigen Ecke, vielleicht in einem Zwanzigstel des Stadions, stehen 1300 Unioner zusammengepfercht, gut bewacht, und schreien wie 20 000. „Gästeblock“ nennt sich so eine Frechheit; „wenn ich Gäste habe, sperre ich die doch auch nicht ins Klo“, sagt der Knabe weise. Kaffee kriegt er auch nicht, wenigstens Bier, zur Strafe gibt es ein lahmes 0:0. Nächstes Mal: Millerntor!

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