HSV in der Krise : Zukunft des Vorstands ungewiss

Keine Tumulte, keine Pöbeleien, keine ausgesperrte Presse - in Hamburger ist wieder Vernunft eingekehrt. Nach dem Ende der Mitgliederversammlung ist eines klar: Die Verträge von Hoffmann und Beiersdorfer gelten nur für die erste Liga.

Hamburg - Trotz der prekären Lage des Tabellenschlusslichts der Fußball-Bundesliga verlief die Fortsetzung der Mitgliederversammlung am Montagabend im Congress Centrum Hamburg respektvoll und geordnet. Der erste Teil der Veranstaltung, bei dem die Medien rausgeworfen wurden, war abgebrochen worden.

Diesmal gab es Ergebnisse: Christian Reichert, Vorstandsmitglied für Fan-Belange, wurde in seinem Amt für weitere drei Jahre bestätigt. Zudem wurden Aufsichtsrat und Vorstand für das Geschäftsjahr 2005/2006 entlastet. Letzteres war vor der Zweitauflage der Versammlung nicht sicher. Wegen des sportlichen Absturzes wollten ursprünglich viele der 954 anwesenden Mitglieder die HSV-Führung nicht aus der Verantwortung entlassen. Letztlich überzeugte das Argument, dass nicht die laufende, sondern die abgeschlossenen Saison zur Debatte stand - und da war der HSV schließlich Dritter.

Verträge von Hoffmann und Beiersdorfer gelten nur für die 1. Liga

Sollte der dienstälteste Bundesligist in dieser Saison absteigen, wird es nicht nur personelle Veränderungen in der Mannschaft geben. Die Verträge des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann, seines Stellvertreters und Sportchefs Dietmar Beiersdorfer sowie der für Marketing zuständigen Katja Kraus gelten nur für die 1. Liga. Das teilte der erst drei Tage zuvor als Aufsichtsratschef inthronisierte Horst Becker mit. Ob bei einem sportlichen Desaster, dem Abstieg, der Vorstand in unveränderter Konstellation erneut das Vertrauen vom Kontrollgremium erhält, ist äußerst unwahrscheinlich.

Hoffmann jedenfalls hatte erst kürzlich geäußert, auch in der zweiten Liga am Ball bleiben und "die Suppe auslöffeln" zu wollen. Der Vereinschef musste sich allerdings geharnischte Kritik anhören. HSV-Mitglied Ingo Thiel warf ihm mangelnden Informationsfluss, leere Worte und Missmanagement vor. Thiel deutete unter dem Eindruck des sportlichen Niedergangs die Buchstaben HSV als "Hoffmanns schlechtesten Versuch". Sowohl dem Vereinschef als auch Beiersdorfer wurde der Rücktritt nahe gelegt.

Hoffmann mit trotzigem Optimismus

"Das ist ganz normal in einer kritischen Situation, dass man kräftig um die Ohren bekommt. Eine Versammlung hat auch Ventilfunktion. Man kann nicht immer nur Streicheleinheiten bekommen", befand Hoffmann und meinte trotzig: "Ich freue mich auf viele Jahre beim HSV."

Nach Trainerwechsel und erstem Heimsieg dieser Saison gegen Dortmund (3:0) verbreitete das Vereinsoberhaupt Zuversicht: "Wir sind auf dem richtigen Weg. Wir glauben, dass wir nicht nur den Klassenerhalt schaffen, sondern wieder richtig angreifen werden." Dem früheren Trainer Thomas Doll dankte Hoffmann: "Er hat uns ein tolles HSV-Märchen beschert." Mit seiner Entlassung sei "eine Idee sehr stark beschädigt" worden. (Von Franko Koitzsch, dpa)

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