HSV : Labbadia ist der Mann für den Schub

Bruno Labbadia soll den HSV voranbringen. Wie ein Hoffnungsträger darf er sich aber nicht fühlen.

Sebastian Stiekel[Hamburg]
Vorstellung Bruno Labbadia beim HSV
Neu-Hamburger. Bruna Labbadia.Foto dpa

Ein Hoffnungsträger wird anders empfangen. Als Bruno Labbadia gestern als Trainer des Hamburger SV vorgestellt wurde, muss er sich ein bisschen so vorgekommen sein wie vor einem Tribunal. „Haben Sie in Leverkusen Fehler gemacht? Was wollen Sie in Hamburg anders machen?“ Das Interesse an Labbadia war groß, aber die meisten Journalisten stellten erst einmal kritische Fragen. Auf den ersten Blick passt das auch nicht zusammen. Der HSV besetzt einen der begehrtesten Trainersstühle der Fußball-Bundesliga mit jemandem, der gerade eine miserable Rückrunde hinter sich hat und im Unfrieden aus Leverkusen geschieden ist.

Der 43-jährige Labbadia ging über die kritischen Fragen einfach hinweg. „Ich will mit dem HSV unter die ersten fünf und habe klare Vorstellungen davon, wie eine Mannschaft ausgerichtet sein soll“, sagte er. „Das geht nur über Respekt und Disziplin, aber dafür hat man mich hierher geholt. Wir haben uns auch in Leverkusen offen unsere Meinung gesagt, und deshalb bin ich mir sicher, dass da nichts hängen bleibt.“ In der Tat hat ihn der HSV genau der Eigenschaften wegen verpflichtet, mit denen er bei Bayer aneckte: sein hohes Anspruchsdenken, die Akribie, seine direkte Ansprache. Vorstandschef Bernd Hoffmann beklagte zuletzt den fehlenden Erfolgshunger seines Teams, das im Uefa-Cup und im DFB-Pokal im Halbfinale ausgeschieden war. Nun sagt er zufrieden: „Bruno Labbadia war unser Wunschkandidat. Er verkörpert Siegermentalität, steht für offensiven Fußball und wird hier die Funken fliegen lassen.“

Bei Bayer flogen davon am Ende einige zu viel. Das Verhältnis zwischen Labbadia und seinen Spielern war zerstört. In Hamburg aber legte man sich für ihn ins Zeug. Für 1,3 Millionen Euro kaufte der HSV ihn aus seinem Vertrag heraus. Als Gegenleistung bekommt er nun großen Arbeitseifer. „Wir haben uns hier zwei Tage lang fast eingeschlossen“, berichtete Labbadia. Für die neue Saison benötigt der HSV noch vier oder fünf Verstärkungen. Im Gespräch sind der Grieche Konstatinos Katsouranis (Benfica) und Tim Borowski (Bayern). „Wir müssen zusehen, dass wir noch Spieler bekommen, die uns einen Schub geben“, sagte Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer. Labbadia hätte es nicht besser sagen können. Er möchte ständig allen und jedem einen Schub geben. Beiersdorfer meint: „Er holt immer das Letzte aus sich heraus. Das werden hier bald alle erkennen.“

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