HSV : Naturgewalt im Strafraum

Ruud van Nistelrooys Tore gegen Schalke 04 beweisen, dass er für den Hamburger SV noch wertvoll sein kann.

Frank Heike[Hamburg]
Nichts verlernt. Ruud van Nistelrooy (rechts, gegen Christoph Metzelder) scheint in Hamburg zu alter Form zurückzukehren.Foto: dpa Foto: dpa
Nichts verlernt. Ruud van Nistelrooy (rechts, gegen Christoph Metzelder) scheint in Hamburg zu alter Form zurückzukehren.Foto: dpaFoto: dpa

Einen Verteidiger schmerzt es vielleicht weniger, wenn er erklären muss, wie es zu Toren Ruud van Nistelrooys kommen konnte. Schicksal eben, einfach unvermeidlich, quasi eine Naturgewalt, dass der 34 Jahre alte Niederländer ins Tor trifft. Auf eine solche Variante versteifte sich der Schalker Verteidiger Christoph Metzelder. Er kennt van Nistelrooy ja aus gemeinsamen Zeiten bei Real Madrid, zu verhindern sei das zweite Tor des ehemaligen Kollegen trotzdem nicht gewesen. „Wenn er so nah vor dem Tor an den Ball kommt, hat man eigentlich keine Chance“, sagte Metzelder. Das nahm ihn selbst etwas aus der Pflicht, obwohl er genau den einen Meter zu weit vom Hamburger Stürmer entfernt gestanden hatte, den dieser braucht, um Tore zu schießen. Metzelders Torwart Manuel Neuer war in der Beurteilung fremder Qualitäten zurückhaltender. „Er musste doch nur den Fuß hinhalten“, sagte Neuer genervt, als er van Nistelrooys Tore beschreiben sollte. Wahrscheinlich ärgerte sich der Nationaltorhüter, dass der FC Schalke trotz seiner guten Paraden 1:2 beim Hamburger SV verloren hatte. „Wir haben die ersten 30 Minuten guten Fußball gespielt, aber dann haben wir das Spiel aus der Hand gegeben. Ich weiß nicht warum“, sagte der Schalker Kapitän.

Die Art, wie der 34 Jahre alte van Nistelrooy zu seinen ersten beiden Saisontreffern kam, bewies die Klasse, die der HSV schon im Januar eingekauft zu haben glaubte: Van Nistelrooy reagiert im Fünfmeterraum einfach schneller als die Verteidiger und hat das Gespür, dorthin zu laufen, wo der Ball demnächst auftauchen wird. Traumtore sind das selten, in ihrer Selbstverständlichkeit aber großartige Treffer. Ob bei Eindhoven, Manchester United oder Real Madrid, überall hat van Nistelrooy aus nächster Nähe getroffen: Als er nach Hamburg kam, wurde eine Statistik veröffentlicht, die zeigte, dass Nistelrooy mehr als 90 Prozent seiner Tore aus dem Sechzehnmeterraum heraus geschossen hat.

Es hatte ja schon Zweifel an seinen Fähigkeiten gegeben nach vielen schwachen und wenigen guten Spielen im ersten Halbjahr beim HSV: Konnte so einer das Toreschießen verlernt haben? Behinderte ihn das ständige Reizklima beim HSV, wo zuletzt jeder jeden infrage stellte? Im ersten Saisonspiel wurde deutlich, wie sehr van Nistelrooy seine Fitness braucht. Trainer Armin Veh sagte: „Er hat doch zwei Jahre nicht gespielt bei Real. Es war ganz wichtig, dass wir Ruud sieben Wochen im Training hatten. Für uns war es ein Glück, dass er nicht bei der WM war.“ Groß war der Frust im Mai gewesen, als der niederländische Nationaltrainer Bert van Marwijk ihn nicht mit nach Südafrika gebeten hatte. Am Samstag war all der Frust vergessen. „Alles hat gepasst, die Vorlagen, die Tore, die Fans“, sagte van Nistelrooy.

Die Bilanz des Niederländers erreichte sein Freund Raul beim FC Schalke nicht im Entferntesten. Ganze 17 Mal kam der Spanier an den Ball, köpfte nur einmal Richtung Tor. Ruud van Nistelrooy nahm Raul in Schutz: „Es ist kein Duell für uns gewesen. Wir sind Kumpel. Heute habe ich die Tore gemacht, beim nächsten Mal er.“ Für Schalkes Trainer Felix Magath war es auch eher ein Experiment, Raul von Beginn an aufs Feld zu schicken. Dem 33 Jahre alten Angreifer fehlt noch die Fitness, die van Nistelrooy schon besitzt. Auch deswegen tauschte Magath seinen neuen Star nach 63 Minuten aus. „Raul ist kein Konterspieler“, erklärte der Coach, „nach dem Rückstand musste ich ihn rausnehmen und das Mittelfeld stärken. Seine Leistung heute ist nicht so richtig zu beurteilen.“ Weil es den Gelsenkirchenern wieder einmal an Spielkultur fehlte, kündigte Magath erneut an, dass es bald Zukäufe geben werde – vor allem für das offensive Mittelfeld. Der überforderte Ivan Rakitic neben lauter Dauerläufern war bei der ersten Saisonniederlage 2010/11 zu wenig. Deshalb will Magath den Wolfsburger Zvjezdan Misimovic.

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