Sport : HSV: Rechenspiele im Volksparkstadion

Claus Günter

Alles oder nichts - oder doch noch ein bißchen? Frank Pagelsdorf hat den Rechenschieber längst bei Seite gelegt; er will sich vor dem entscheidenden Champions League Spiel seines Hamburger SV heute abend (20 Uhr 45 Uhr, live in RTL) nicht ablenken lassen. Manchmal ist Fußball ja auch so einfach, und das hilft dann bei der Taktik: "Wir müssen gewinnen." Fertig, aus. Trotzdem - ein bißchen rechnen werden sie ja sowieso alle. Pagelsdorfs Spieler am Vorabend im Trainingslager und die 50 000 im Volksparkstadion. Mit einem Sieg also ist der HSV auf jeden Fall weiter international dabei. Wenn Panathinakos Athen und Juventus Turin gleichzeitig unentschieden spielen, hat der HSV sogar alles erreicht, also die Zwischenrunde der Champions League.

Gibt es in der griechischen Hauptstadt einen Sieger, ist die Zwischenrunde verloren, allerdings reicht den Hanseaten dann schon ein Remis gegen den Spanischen Meister, um in die dritte Runde des Uefa-Cups einzusteigen. Und über das Nichts spricht ohnehin keiner.

Pagelsdorf aber schiebt das alles weg: "Wir werden stürmen und wollen den Fans ein attraktives Spiel bieten". Nur müssen sich die Fans selbst mit Transistorradios ausrüsten, um zu erfahren, was der jeweilige Spielstand an der Alster bedeutet. Weil man nämlich über den jeweiligen Spielstand an der Akropolis nicht informiert wird. "Auf der Anzeigetafel werden wir den Zwischenstand aus Athen nicht einblenden", hat Pagelsdorf entschieden, "meine Spieler sollen sich auf das Spiel konzentrieren und nicht ständig nach oben gucken." Nächste Lektion für die international unerfahrenen Hamburger Profis.

Das Mitspielen in der Königsklasse sollte ja ohnehin nur ein weiterer Schritt beim Aufbau einer starken Mannschaft werden. "Uns fehlte die internationale Erfahrung; die haben wir hier gesammelt", sagte der Hamburger Trainer beim Betrachten der Vorrunden-Bilanz. "Wir haben gesehen, dass wir spielerisch mit den großen Vereinen mithalten können, das war erfreulich. Wir haben aber auch gelernt, dass auch kleine Fehler gnadenlos bestraft werden und die Gegner nur wenige Chancen brauchen, um ihre Tore zu erzielen."

Das mussten die Hamburger vor allem beim 4:4 im Heimspiel gegen Juventus Turin und der 1:2-Niederlage in La Coruna feststellen. Drei Punkte gingen dort durch späte und dumme Gegentore verloren, sonst wäre der HSV fast schon durch. Doch Pagelsdorf mag nicht böse zurück schauen: "Das war natürlich ärgerlich. Aber wichtiger ist, dass wir uns nicht haben abschlachten lassen. Wir haben gelernt, dass es international härter zur Sache geht, dass die Schiedsrichter kulanter entscheiden." Für seinen internen Etappenplan zum Aufbau eines Spitzenteams - "In vier Jahren zur Meisterschaft" - war die Teilnahme an der Champions League somit ein weiterer wichtiger Schritt: "Unterm Strich bleibt sehr viel Positives. Ich bin sehr zufrieden."

Gerade rechtzeitig kam zudem das 5:0-Schützenfest gegen den SC Freiburg. Wenn es noch irgendwelche Zweifel gab bei den Spielern, dann sind die jetzt weg. "Ich glaube fest an das Wunder gegen La Coruna", verkündete Bernd Hollerbach, und sein Teamkollege Stig Töfting schloss sich an: "Wir werden ganz sicher gewinnen."

Positive Nachrichten gab es zudem: Niko Kovac (Muskelfaserriss) und Andrej Panadic (Platzwunde) wurden gestern von den Ärzten als gesund gemeldet. "Wenn sie wollen, sind sie dabei", sagt der Trainer, "es ist allein ihre Entscheidung." Sie werden wollen - der Endspielcharakter der Partie macht alle heiß. Was natürlich auch für die Chefetage gilt. "Ist doch eine traumhafte Situation", sagt der Vorstandsvorsitzende Werner Hackmann, "wir haben es in der Hand, mit einem Sieg den Uefa-Cup zu erreichen." Ihm ist durch den Millionenregen in der Champions League eine große Sorge genommen: "Wir können die Mehrkosten für den Stadionbau jetzt ohne fremde Hilfe finanzieren." Mit 189 Millionen statt der ursprünglich kalkulierten 159 Millionen wird im Augenblick gerechnet, die Hälfte davon muss der Verein aufbringen - und kann es. Über Geld sprechen die Hanseaten ungern, aber sie werden über 20 Millionen Mark kassiert haben. In der Zwischenrunde wären laut Hackmann "mindestens noch acht Millionen drin" - mindestens.

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